
| SHELL STADTKARTE Nr. 51 HERNE | | Verlag: SHELL Reisedienst | Titelbild: Stadthaus Nord | Erscheinungsjahr: 1934/35 | Verlag: SHELL Deutschland Holding GmbH | Originalpreis: k.A. | | Direkt zum Stadtplan |
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Shell-Stadtkarte Nr.51 Herne

Bei Drucklegung dieser Zeilen die jüngste deutsche Großstadt, ist als wirtschaftliches Gebilde eine junge Stadt, deren Entwicklung aufs engste verknüpft ist mit dem Boden, auf dem sie steht. Die zahlreichen Urnenfunde, die der Freilegung frühzeitlicher Grabstätten entstammen, die Zutageförderung von Handwerkszeugen, Messern und Pfeilspitzen aus ältester und jüngerer Steinzeit legen Zeugnis davon ab, daß schon vor Jahrtausenden an der Stelle der Gegenwart menschliche Niederlassungen vorhanden waren. Die Herner Stadtflur ist demnach uralter Siedlungsboden. Später ertönte hier der Marschtritt römischer Legionen auf zwei alten sich hier kreuzenden Heerstraßen, wovon Aufzeichnungen des römischen Schriftstellers Tacitus und Ausgrabungen Kunde ablegen. Geschichtlich zum ersten Male um das Jahr 900 als Bauernschaft Haranni erwähnt, bildeten Landwirtschaft und Viehzucht bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Haupterwerbszweige der Bewohner. Von da ab hielt der Kohlenbergbau seinen Einzug. Ein neuer Zeitabschnitt begann, währenddessen sich in einem Tempo ohnegleichen das Wachsen und Werden der Stadt aus bescheidenem dörfischen Gemeinwesen zu ihrer heutigen Bedeutung vollzog. Mit der Erschließung der Steinkohlenschätze trat der ländliche Charakter des Ortes immer mehr zurück, machte der Bergbau fast ausschließlich seinen Einfluß auf das Erwerbs- und Verkehrsleben und damit auf die Entwicklung der Stadt geltend. Hier im rheinischwestfälischen Industriegebiet, das durchpulst ist vom Rhythmus der Arbeit, wird der Wille zum Leben deutlich vernehmbar. Zu der Kohlengewinnung sind im Laufe der Zeit andere Produktionszweige, wie Maschinenbau, mechanische und Brauindustrie durch Firmen von Weltruf hinzugekommen, die den industriellen Charakter der Stadt noch mehr betont haben. 
Die Wasserburg Schloß Strünkede, einst der Sitz eines trutzhaften Rittergeschlechts, ist in ihrem jetzigen Aussehen ein Bauwerk des 17. Jahrhunderts, das heute als Polizeiunterkunft dient. Wenn auch in Urkunden erst 1142 erwähnt, so reicht doch seine Geschichte zweifellos weiter zurück. 
Herne besitzt große leistungsfähige Geschäftshäuser, gutangelegte gradlinige Straßen, von denen die Hauptgeschäftsstraße in ihrer Breite und Länge in den übrigen Städten des Ruhrgebiets kaum ihresgleichen findet. Sorgsam gepflegte Grünanlagen im Innern wie am Stadtrande beleben das Bild und bieten den Menschen Erholung und Ausspannung. Das gilt von dem Stadtgarten, von Giesenberger Wald und Sodinger Volkspark, von denen die beiden letztgenannten nicht nur bei den Einheimischen einen guten Klang haben. Gut ausgebaute Straßen stellen die Verbindung mit der nahen und weiteren Umgebung her. Besonders lohnend ist auch der Besuch des Schiffshebewerkes in Henrichenburg, das von Herne aus in etwa einstündiger Dampferfahrt zu erreichen ist. Ein Heimatmuseum (Bahnhofsfraße 7c) birgt in seinen verschiedenen Abteilungen eine stattliche Anzahl vor- und frühgeschichtlicher sowie kulturhistorischer Funde und Sehenswürdigkeiten. Zahlreiche Schulen, darunter mehrere höhere Lehranstalten, Berufs- und Fachschulen, sorgen für die geistige Ausbildung. Mit zahlreichen Sportplätzen, einer neuzeitlichen Schwimm-Badeanstalt, zwei Bootshäusern, modernen Bauten, mehreren Denkmälern und Kirchen, modernen Hotels und Gaststätten, Lichtspieltheatern, Cafes, Konzertlokalen, einer Bibliothek mit ca. 12 000 Bänden ist Herne im Wettlauf um den Fortschritt nicht zurückgeblieben.

Herne liegt zentral zu den bedeutendsten Städten des Ruhrgebiets und nimmt, an der Haupteisenbahnstrecke, der Köln-Minderer Linie, sowie an der Vereinigung des Dortmund-Ems- und RheinHerne-Kanals eine besonders günstige Verkehrslage ein.

Günstige Ausflugsgelegenheit besteht von Herne aus nach Sinsen und Haltern (mit dem Auto in ca. 45 Minuten zu erreichen) nach dem Stausee. Dorfselbst mehrere Strandbäder in waldreicher Gegend. Unmittelbar anschließend daran die Borkenberge mit Segelfluggelände und Hohe Mark. 
Nach der entgegengesetzten Richtung gelangt man von Herne aus über Bochum-Haftungen in das schöne Hügelland des Ruhrtals, das ausgedehnte und lohnende Wanderungen zuläßt. 
Es ist die jüngste deutsche Großstadt, eine Stadt ohne Geschichte. Aus einem Vorwerk der gegenüberliegenden Festung Mannheim, der „Rheinschanze", 1606 gegründet, die an allen Belagerungen und Zerstörungen der Stadt Mannheim teilnahm, entstand erst nach 1816, als die Rheinpfalz bayerisch wurde, etwas wie eine Ansiedlung. 1820 wurde eine Handelsniederlassung errichtet, 1825 landete hier der erste Rheindampfer ehe Mannheim einen Hafen besaß, und der Platz wuchs so schnell, daß 1843 mit der Zurückziehung des letzten militärischen Wachdienstes an der Rheinschanze die neue Siedlung den Namen „Ludwigshafen" erhielt, nach König Ludwig 1. von Bayern, dem Freund der Pfalz. Private Initiative schuf den ersten Hafen, und das erste Handelshaus des Kaufmanns Philipp Markus Lichtenberger entwickelte sich so überraschend, daß der bayerische Staat im Jahre 1844 die gesamten Anlagen als Eigentum erwarb. 1847 wurde die erste Eisenbahn nach Neustadt an der Haardt eröffnet, es folgte der Bau der Rheinbrücke nach Mannheim, 1853 wurde Ludwigshafen selbständige Gemeinde und 1859 zur Stadt erhoben, die, begünstigt durch die Ansiedlung zahlreicher Industrien einen glänzenden Aufstieg nahm. 1925 wurden die ersten 100000 Einwohner erreicht. Wenn Sie die ganze Karte begutachten möchten, müssen Sie nur auf den Link klicken. (Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |