
| SHELL STADTKARTE Nr. 52 WÜRZBURG | Maßstab k.A. | Hergestellt: 1934 oder 1935 | Verlag: SHELL Reisedienst | Originalpreis: k.A. | | Direkt zur Karte |
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Shell-Stadtkarte Nr.52 Würzburg 
„Ich will zur schönen Sommerszeit ins Land der Franken fahren", - dies oft gesungene Lied des Gaudeamus-Sängers Joseph Viktor von Scheffel scheint ganz deutlich auf die alte Bischofsstadt Würzburg am Main gemünzt zu sein. 40 Kirchen, Kapellen, Stifte, Münster und Dome recken sich über dem Giebelgewirr im Barockstil aller Perioden dieser kunstfrohen Epoche. Brunnen, Tore und Brücken zeigen Figuren von Heiligen und Bischöfen in gleichem Stil, von den Häusern lächeln aus wunderlichen Nischen und Ecken liebliche Madonnengesichter mit güldener Krone. 
Das Auge wird des Schauens nicht müde. Ungemein reizvoll ist der Blick von der Festung auf die vieltürmige Stadt des hl. Kilian und den Strom, der hier noch nicht zum Sklaven betriebsamer Industrie geworden ist. Man nimmt sich vor, diesen oder jenen Winkel einmal genauer anzusehen, aber im Netz der Straßen und Gäßchen ist es schwer, System zu bewahren, denn immer wieder locken romantische Winkel zu Sonderausflügen nach rechts oder links. Da ist die Residenz, das prächtige Barockschloß, ein Werk des fürstbischöflichen Artilleriehauptmannes Balthasar Neumann mit einer Flucht von 317 Sälen und Zimmern, eines immer noch schöner als das andere, dahinter das Idyll des baum- und vogelreichen Hofgartens und davor der Residenzplatz mit dem schönen Brunnen Walthers von der Vogelweide, des unsterblichen Minnesängers, dessen Gebeine im Kreuzgang des Münsters bestattet sein sollen. Wunderbare Kirchenbauten sind die alte Ratskirche der Marienkapelle, die zierlich aus dem Gewinkel von Marktbuden und Markthäusern emporragt. Da sehen wir auch den Rokokobau des „Haus zum Falken" in weißgoldener Pracht. Im uralten Bau des Domes kann man alle Stilarten vergangener Jahrhunderte studieren, das Innere ist üppig leuchtender Barock. Über den Gräbern des Frankenapostels Kilian und seiner Gefährten, zu dessen Ehren alljährlich im Hochsommer das Kilianifest stattfindet, erhebt sich das kuppelgekrönte Neu-Münster, eine romanische Basilika mit Barockfassade. Die in italienischer Renaissance erbaute Hauger Stiftskirche darf man nicht übersehen. 
Hat das Auge sich hier satt gesehen, - und man hätte manchen Tag übrig, würde man doch immer wieder Neues entdecken in dieser merkwürdigen Stadt -, so schweift der Blick ins Freie. Auf dem Steinberg wächst der beste Wein des Frankenlandes, der köstliche Steinwein auf dem Festungsberg; wo das imposante Massiv der Marienberg-Veste mit seinen interessanten Erinnerungen von alter Kriegskunst lastet, reift der liebliche „Leisten". Aber man braucht nicht hinaufzusteigen, um diese Genüsse zu erproben, denn an Weinkneipen, wie sie sein sollen, heimlich und verlockend zugleich, ist in der Stadt des hl. Kilian kein Mangel. Die besten Keller hat das berühmte Juliusspital und die Hofkellerei. In Würzburgs ältestem Viertel jenseits der alten Mainbrücke, von der die 12 Frankenapostel in das Stromtal blicken, gibt es klassische Weinstuben wie den „Brückenbäck" und den „Grafen Ecker". Beim Glase Wein läßt sich nachsinnen über die Stadtgeschichte, zu deren ältesten Blättern gerade dieser Stadtteil gehört. Im 7. Jahrhundert erbaut, war Würzburg unter Karl dem Großen -auch er gehört zu den 12 Aposteln auf der Brücke - Königliche Pfalz, später Bischofsstadt und Sitz vieler Reichstage, darunter des wichtigsten im Jahre 1180, auf dem Heinrich der Löwe geächtet wurde. Götz von Berlichingen hat es belagert mit seinen Bauern, aber die Veste Marienberg widerstand seinem Zorn. Dann kamen der 30jährige Krieg, 1866 die Preußen und danach die bayerische Zeit. Daß wir in einer Universitätsstadt sind, beweisen die vielen Verbindungshäuser in allen Teilen der Stadt. Hier mag sich gut studieren lassen, wo die Natur und Menschen alles taten, um einen Traum von Lieblichkeit zur Wirklichkeit werden zu lassen. Dazu eine Umgebung, wie man sie kaum anderswo in solcher Schönheit wiederfindet. Eine Fülle lieblicher Städte spiegelt sich in den Fluten des Mains, den gute Straßen begleiten. Die ganze Pracht des Mittelalters hat sich in dieser Ecke des Frankenlandes erhalten: starke Mauern, hochgieblige Bürger- und Ratshäuser, vornehme Patrizierbauten in Barock oder Rokoko. Wertheim a. M., Miltenberg, Aschaffenburg, Marktbreit, Bamberg, Veitshöchheim und Bad Kissingen sind Namen, die in gleicher Weise den Naturund Kunstfreund aufhorchen lassen, Stätten in denen man köstliche Stunden verleben kann, ohne indes von Würzburgs beherrschender Pracht länger getrennt zu sein, als die Spanne eines kurzen Ausflugs, von dem man hierher immer gern zurückkehrt. Hat man das Glück, im Herbst hier zu weilen, so wird man gerne ins Weinland fahren und den Anblick der Lese auf sich wirken lassen. Da ist die Luft über den Bergen und Tälern des Frankenlandes noch einmal so hell, die Augen blitzen noch einmal so frisch, und aus den Rebenzeilen der Weinberge schallt froher Sang von Lesern und Leserinnen. Wir verstehen dann den Dichter Felix Dahn, wenn er singt: Freu'n wir uns beim Schöppele Diesen Tag zu leben, Zwischen Stein und Käppele, Duften ed´le Reben. 
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