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SHELL STADTKARTE Nr. 53 REGENSBURG |
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Verlag: SHELL
Reisedienst |
Erscheinungsjahr:
1935/36 | Verlag:
RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT | Originalpreis: k.A.
(War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.) |
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Titelbild: Der Dom |
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Shell-Stadtkarte
Nr.53 Regensburg

Als wir jüngst in Regensburg waren..." klingt es im
Studentenlied geheimnisvoll und sehnsüchtig und etwas von
diesen Geheimnissen umwittert den Besucher der alten
Donauresidenz, wenn er das Gewirr der Straßen und Gassen
zwischen Bahnhof und Donau durchwandert. In Regensburg steht
man auf uraltem Kulturboden. Als Castra Regina 179 nach
Christus begründet, wurde die Stadt gegenüber dem
Zusammenfluß des Regen mit der Donau erbaut, eine der
stärksten und wichtigsten Lagerfestungen der römischen
Reichsgrenze und der Prellbock gegen den starken Druck der
Germanenstämme auf dem Ostteil des Limes-Walles, der vom
Rhein bis zur Donau den „Barbaren" Halt gebieten sollte.
Noch steht heute das mächtige Nordtor des Militärlagers; die
Porta praetoria, aus Riesenquadern gefügt, ist an der
Schwibbögengasse freigelegt worden. Nach dem Zusammenbruch
der Römerherrschaft war Regensburg die Hauptstadt der
bayerischen Siammesherzöge der Agilolfinger und
Bischofssitz, nach der Teilung des Karolingerreiches sogar
Mittelpunkt des Ostfränkischen Reiches und damit auch von
vornherein dazu ausersehen, im Zusammenhang mit ihrer
bevorzugten Lage sich zum mächtigsten Gemeinwesen
Süddeutschlands aufzuschwingen. Die Hauptblüte erlebte
Regensburg, nachdem es 1245 reichsfrei geworden war. Der
Orienthandel wie der Verkehr nach Italien über die Alpen
hinweg wurde von Regensburger Kaufleuten beherrscht und erst
die Mongolenstürme und der Vormarsch der Türken brachten in
diese Blütezeit den ersten Reif. Augsburg und Nürnberg
lösten Regensburg in der Rolle der Handelsmetropole ab, bis
die neue Zeit, vor allem der Ausbau der
Eisenbahnverbindungen und der Donaugroßschiffahrt, die hier
beginnt, dem wirtschaftlichen Leben der Stadt neuen
Aufschwung geben.

Alle diese reichen und armen Zeitläufte haben dem
Stadtbild ihr Gepräge aufgedrückt. Am Dom von St. Peter, dem
schönsten gotischen Bauwerk Bayerns, eine von 1275-1524
erbaute dreischiffige Basilika mit zwei 105 Meter hohen
Türmen, steht an der Nordseite noch ein kleiner Turm, der
Eselsturm, der zur alten Agilolfingerkirche gehörte, die an
der Stätte des Domes sich erhob. Das ungefüge Massiv des
Römerturms am Moltkeplatz ragt in die Zeit der
Karolinger hinein, die alte Kapelle, nicht weit davon,
stammt in ihren ältesten Teilen aus dem 9. Jahrhundert; das
Niedermünster, in derselben Gegend gelegen, wurde im
10. Jahrhundert gegründet. Die Jakobs- oder
Schottenkirche mit ihrem in der ganzen Welt berühmten
Portal wurde im 12. Jahrhundert erbaut. In der wunderbaren
Klosterkirche von St. Emmeram ruhen die Gebeine
mehrerer deutscher Kaiser, u. a. des letzten Karolingers,
Ludwigs mit dem Beinamen „das Kind". Wer tiefer in die
Geschichte der Stadt eindringen will, besuche die
Ulrichskirche mit ihrem Museum.
Der stolze Bau des Rathauses mit dem herrlichen
Reichs- oder Kalsersaal, in dem der Reichstag des alten
römischen Reiches deutscher Nation „immerwährend" tagte, und
andere ehrwürdige Patrizierhäuser, wie das Thundorferhaus
in der Goliathstraße oder das Lerchenfelderhaus in
der Unteren Bachgasse führen uns in die Zeit zurück, da
Regensburg reich und mächtig war. Es ist kein Zufall, daß
die Fürsten von Thurn und Taxis, mit deren Namen die erste
Post untrennbar verbunden ist, heute noch in dieser alten
Zentrale weitausgedehnter Handelsbeziehungen ihre Residenz
haben. Der landschaftliche Reiz der altehrwürdigen
Donaustadt offenbart sich uns am besten von der unter dem
Welfenherzog im 12. Jahrhundert erbauten 16 Bogen starken
Steinernen Brücke nach Stadiamhof.

Diese Brücke gehörte zu den sieben Weltwundern des
Mittelalters. Man blickt von ihr weit den Strom hinauf und
hinunter, über den berühmten Donaustrudel hinweg, und mag
sich daran erinnern, daß hier einmal das letzte Bollwerk des
Deutschtums gegen den unbekannten „wilden Osten" war. Vom
Scheitel der Brücke hat man eine fesselnde Übersicht auf die
Altstadt mit dem malerischen Portal des Brücktors.
Die Wurstkuchl am Südfuß der Brücke mit ihren geschätzten
Bratwürsten ist ein kleiner Vorgeschmack zu mancherlei
Delikatessen, die uns in den guten Unterkunfts- und
Gaststätten geboten werden.
Es gibt wohl kaum einen Ort, der mit so viel eigenen
Vorzügen die reichste Auswahl von interessanten Ausflügen zu
Wasser und zu Lande vereint. Regensburg als Ausgangspunkt
für Ein- und Halbtagsfahrten ist geradezu ideal. Nach allen
Himmelsrichtungen eröffnen sich reizvolle Möglichkeiten.
Die Walhalla auf einer waldigen Höhe bei Donaustauf,
der unter dem kunstsinnigen Ludwig I. erbaute Tempel
deutschen Ruhmes, und die den deutschen Freiheitskämpfern
gewidmete Befreiungshalle bei Kelheim stehen hierbei
an der Spitze. Im Norden winkt der Bayerische Wald
mit seinen endlosen Urwäldern und tiefen Tälern,
romantischen Wasserfällen und düsteren Seen, dem Arber
und Osser, dem Rachel und Lusen. Eine
wunderbare Tour ist die zum Donaudurchbruch bei
Weltenburg, wohl der schönsten Stelle in diesem
Stromtal, womit man gleich einen Besuch der schönen
Barockkirche des Klosters Weitenburg verbinden mag.
Landshut, Wörth a. d. Donau, Passau, Prüfening und
Schloß Prunn - jedes für sich ein lohnendes Ziel, sind
auf guten Straßen mit dem Kraftfahrzeug leicht erreichbar.
Und, wenn man will, kann man diesen Radius um Regensburg
mühelos noch weiter spannen: Die Stadt ist wirklich eine
Regina, eine Königin dieser Landschaft

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte) | |