
| SHELL STADTKARTE Nr. 53 REGENSBURG | Maßstab k.A. | Hergestellt: 1937 | Verlag: SHELL Reisedienst | Originalpreis: k.A. | | Direkt zur Karte |
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Shell-Stadtkarte Nr.53 Regensburg 
„Als wir jüngst in Regensburg waren ..." klingt es im Studentenlied geheimnisvoll und sehnsüchtig und etwas von diesen Geheimnissen umwittert den Besucher der alten Donauresidenz, wenn er das Gewirr der Straßen und Gassen zwischen Bahnhof und Donau durchwandert. In Regensburg steht man auf uraltem Kulturboden. Als Castra Regina 179 nach Christus begründet, wurde die Stadt gegenüber dem Zusammenfluß des Regen mit der Donau erbaut, eine der stärksten und wichtigsten Lagerfestungen der römischen Reichsgrenze und der Prellbock gegen den starken Druck der Germanenstämme auf dem Ostteil des Limes-Walles, der vom Rhein bis zur Donau den „Barbaren" Halt gebieten sollte. Noch steht heute das mächtige Nordtor des Militärlagers; die Porta praetoria, aus Riesenquadern gefügt, ist an der Schwibbögengasse freigelegt worden. Nach dem Zusammenbruch der Römerherrschaft war Regensburg die Hauptstadt der bayerischen Stammesherzöge der Agilolfinger und Bischofssitz, nach der Teilung des Karolingerreiches sogar Mittelpunkt des Ostfränkischen Reiches und damit auch von vornherein dazu ausersehen, im Zusammenhang mit ihrer bevorzugten Lage sich zum mächtigsten Gemeinwesen Süddeutschlands aufzuschwingen. Die Hauptblüte erlebte Regensburg, nachdem es 1245 reichsfrei geworden war. Der Orienthandel wie der Verkehr nach Italien über die Alpen hinweg wurde von Regensburger Kaufleuten beherrscht, und erst die Mongolenstürme und der Vormarsch der Türken brachten in diese Blütezeit den ersten Reif. Augsburg und Nürnberg lösten Regensburg in der Rolle der Handelsmetropole ab, bis die neue Zeit, vor allem der Ausbau der Eisenbahnverbindungen und der Donaugroßschiffahrt, die hier beginnt, dem wirtschaftlichen Leben der Stadt neuen Aufschwung geben. 
Alle diese reichen und armen Zeitläufte haben dem Stadtbild ihr Gepräge aufgedrückt. Am Dom von St. Peter, dem schönsten gotischen Bauwerk Bayerns, eine von 1275-1524 erbaute dreischiffige Basilika mit zwei 105 Meter hohen Türmen, steht an der Nordseite noch ein kleiner Turm, der Eselsturm, der zur alten Agilolfingerkirche gehörte, die an der Stätte des Domes sich erhob. Das ungefüge Massiv des Römerturms am Moltkeplatz ragt in die Zeit der Karolinger hinein, die alte Kapelle, nicht weit davon, stammt in ihren ältesten Teilen aus dem 9. Jahrhundert; das Niedermünster, in derselben Gegend gelegen, wurde im 10. Jahrhundert gegründet. Die Jakobs- oder Schottenkirche mit ihrem in der ganzen Welt berühmten Portal wurde im 12. Jahrhundert erbaut. In der wunderbaren Klosterkirche von St. Emmeram ruhen die Gebeine mehrerer deutscher Kaiser, u. a. des letzten Karolingers, Ludwigs, mit dem Beinamen „das Kind". Wer tiefer in die Geschichte der Stadt eindringen will, besuche die Ulrichskirche mit ihrem Museum. Der stolze Bau des Rathauses mit dem herrlichen Reichs- oder Kaisersaal, in dem der Reichstag des alten römischen Reiches deutscher Nation „immerwährend" tagte, und andere ehrwürdige Patrizierhäuser, wie das Thundorferhaus in der Goliathstraße oder das Lerchenfelderhaus in der Unteren Bachgasse führen uns in die Zeit zurück, da Regensburg reich und mächtig war. Es ist kein Zufall, daß die Fürsten von Thurn und Taxis, mit deren Namen die erste Post untrennbar verbunden ist, heute noch in dieser alten Zentrale weitausgedehnter Handelsbeziehungen ihre Residenz haben. Der landschaftliche Reiz der altehrwürdigen Donaustadt offenbart sich uns am besten von der unter dem Welfenherzog im 12. Jahrhundert erbauten 16 Bogen starken Steinernen Brücke nach Stadtamhof. 
Diese Brücke gehörte zu den sieben Weltwundern des Mittelalters. Man blickt von ihr weit den Strom hinauf und hinunter, über den berühmten Donaustrudel hinweg, und mag sich daran erinnern, daß hier einmal das letzte Bollwerk des Deutschtums gegen den unbekannten „wilden Osten" war. Vom Scheitel der Brücke hat man eine fesselnde Ubersicht auf die Altstadt mit dem malerischen Portal des Brücktors. Die Wurstkuchl am Südfuß der Brücke mit ihren geschätzten Bratwürsten ist ein kleiner Vorgeschmack zu mancherlei Delikatessen, die uns in den guten Unterkunfts- und Gaststätten geboten werden. 
Es gibt wohl kaum einen Ort, der mit so viel eigenen Vorzügen die reichste Auswahl von interessanten Ausflügen zu Wasser und zu Lande vereint. Regensburg als Ausgangspunkt für Ein- und Halbtagsfahrten ist geradezu ideal. Nach allen Himmelsrichtungen eröffnen sich reizvolle Möglichkeiten. Die Walhalla auf einer waldigen Höhe bei Donaustauf, der unter dem kunstsinnigen Ludwig I. erbaute Tempel deutschen Ruhmes, und die den deutschen Freiheitskämpfern gewidmete Befreiungshalle bei Kelheim stehen hierbei an der Spitze. Im Norden winkt der Bayerische Wald mit seinen endlosen Urwäldern und tiefen Tälern, romantischen Wasserfällen und düsteren Seen, dem Arber und Osser, dem Rachel und Lusen. Eine wunderbare Tour ist die zum Donaudurchbruch bei Weltenburg, wohl der schönsten Stelle in diesem Stromtal, womit man gleich einen Besuch der schönen Barockkirche des Klosters Weltenburg verbinden mag. Landshut, Wörth a. d. Donau, Passau, Prüfening und Schloß Prunn - jedes für sich ein lohnendes Ziel, sind auf guten Straßen mit dem Kraftfahrzeug leicht erreichbar. Und, wenn man will, kann man diesen Radius um Regensburg mühelos noch weiter spannen: Die Stadt ist wirklich eine Regina, eine Königin dieser Landschaft. Wenn Sie die ganze Karte begutachten möchten, müssen Sie nur auf den Link klicken. (Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |