
| SHELL STADTKARTE Nr. 57 Bonn | Maßstab k.A. | Hergestellt: 1935 oder 1936 | Verlag: SHELL Reisedienst | Originalpreis: k.A. | | Direkt zur Karte |
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Bonn ist dem rheinaufwärts kommenden Reisenden so recht das Eingangstor zu den Schönheiten des Rheintales. Dem rheinabwärts Fahrenden aber scheint es mit seinen eigenen städtebaulichen und sonstigen Reizen und seiner hervorragenden Umgebung noch einmal zu verschwenderischer Gabe alle Schönheit zusammenraffen zu wollen, die diese gesegnete Landschaft immer wieder zu geben vermag. Vor der hier beginnenden Talniederung treten die Höhen beider Stromufer weiter zurück, wie um den Blicken Raum für das köstliche Bild zu geben, und über blitzende Wellen, darauf sich Schiffe voll fröhlicher Menschen wiegen, über gärtnerisch prächtige Gefilde winken die sagenumkränzten Sieben Berge der anmutigsten Stadt des Rheines ihren entzückenden Gruß zu. Wohl ist es eine altehrwürdige Vergangenheit, darauf die heute so bedeutende Universitäts-, Musen-, und Fremdenstadt, die sich rüstig auf das hundertste Tausend an Einwohnerschaft zu entwickelt, zurückschaut. Das kleine vorrömische Fischerdörfchen gewann seine erste Bedeutung als Kastell römischer Legionäre. Aber die unerbittliche Zeit, unterstützt von Kriegsbedrängnissen mancherlei Art, tilgte die frühesten Spuren bis auf den hoch die Stadt überragenden Prachtbau des zwischen 1208 und 1221 errichteten spätromanischen Münsters. Außer den Sehenswürdigkeiten des Innern bewundern die Besucher gern den heimeligen Kreuzgang des erhabenen Gotteshauses. 
Aus seiner jüngeren Vergangenheit jedoch, aus seiner eigentlichen Glanzzeit als Residenz der Kölner Kurfürsten, liegt es über Bonn und seinen zahlreichen Bauten aus dieser Epoche ausgestreut wie ein lavendelduftzarter Hauch köstlicher Erinnerungen. Das ganze Land dieser lebenslustigen Fürsten nahm von der rheinischen Frohzeit des Barock ein herzgewinnendes Lächeln an, das noch heute allen verständnislosen Putz durchschimmert. Ihr eigentlichster Sitz aber, die Residenz Bonn, läßt die steingewordenen Erinnerungen dieser Zeit wohl am bezwingendsten reden. Gleich den von hübschen Häusern umrahmten ansehnlichen Marktplatz beherrscht das 1737-38 errichtete stattliche alte Rathaus. Vom unteren Ende des Marktes führt die Bonngasse an der Jesuitenkirche und ihrer sehenswerten Fassade vorbei zu Beethovens Geburtshaus, das an Bonns größten Sohn erinnert. Der mächtig ausladende Bau der Universität, ehedem das kurfürstliche Schloß und heute Quelle einer geistigen Weltgeltung Bonns, leitet von selber zum Kaiserplatz mit seinem, zumal zur Zeit der Kastanienblüte wahrhaft entzückenden Blick über die prächtige Poppelsdorfer Allee hin, zum Poppelsdorfer Schloß, einem Lustbau der Kurfürsten, und zum Kreuzberge, mit seinem lieblich auf der Höhe ragenden stillen Kloster, das eine hervorragende Sehenswürdigkeit für sich bedeutet. Eine Umfahrt, besser noch, da für Fahrzeuge gesperrt, ein kurzer Durchgang zu Fuß, zeigt den parkschönen Hofgarten im Schatten uralter Ulmen und die eindrucksvollste Seite des Schlosses bzw. der Universität. Der alte Zoll, ein Oberrest früherer Stadtbefestigung mit erhebender Aussicht ins Rheintal und zum Siebengebirge, ladet zum Eintritt, wo noch eben der Blick gefesselt wird durch das barocküppige Gebilde des Koblenzer Tors, eines Durchgangs der Straße durch die Universität. Hierher geht der Weg zur Rheinbrücke mit ihrem neckischen Figurenzierat; sie stellt eins der elegantesten Bauwerke dieser Art überhaupt dar. 
Bonn ist mit seiner günstigen touristischen Zentrallage zwischen mehreren Mittelgebirgen wie kaum eine andere Stadt als Standquartier geeignet, um tagsüber interessante Fahrten zu unternehmen und abends in seinen gemütlichen musikerfüllten Biergärten das Leben und Treiben der rheinischen Musenstadt zu genießen. Eine schöne Hangstraße führt zu dem nahegelegenen Venusberge mit wirklich prächtigen Blicken ins Rheintal. Von hier führt eine schöne Waldstraße nach Godesberg zur Ruine Godesburg oder weiter nach Rolandseck, einem der schönsten Punkte der Welt, nach Humboldts Ausspruch, mit dem sagenumklungenen Rolandsbogen. Gegenüber grüßen die lieblichen Rheininseln Nonnenwerth und Grafenwerth. Das wildromantische Ahrtal und sein Glanzpunkt, das schroffenumwuchtete Altenahr sind von Bonn in kurzer genußvoller Fahrt zu erreichen. Ins Siebengebirge mit Drachenfels, Ölberg und Petersberg führen besondere Autostraßen. Eine Fülle interessantester Abstecher in die nahegelegenen und äußerst besuchswerten Gebiete der Eifel, des Westerwalds, des Siegtals und des Bergischen Landes tut sich dem länger Verweilenden auf. Bonn, die Stadt des Rheins und des Weins, des geisttiefen Schaffens und des lebensvollen Genießens, die Stadt des frohbewimpelten Stromes und der letzten in die Niederung des Tals ragenden Berge, die Stadt der parkweiten Gärten, der blühenden Alleen mit rieselnden Brunnen, - sie vermag in kurzem Verweilen und Durcheilen einen tiefen Eindruck zu vermitteln, - sie kann auch auf Tage, Wochen, ja fürs Leben an sich fesseln. 
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