ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 60 DESSAU

Verlag: SHELL Reisedienst

Erscheinungsjahr: 1934/35

Verlag: RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT

Originalpreis: k.A. (War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.)

Titelbild: Der "Alte Dessauer"

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Shell-Stadtkarte Nr.60 Dessau

Im Einmündungswinkel der Mulde in die Elbe, an beiden Flüssen, liegt die Stadt des „Alten Dessauers" und der Junkers-Werke, das 80000 Einwohner zählende Dessau, die alte Residenz der askanischen Fürsten. Gleich dem Ursprung des Fürstenhauses ist derjenige der Stadt in Dunkel gehüllt. Der ursprünglich wohl wendischen Siedlung konnte unter dem großen Askanier Albrecht dem Bären eine rein deutsche, urkundlich nachgewiesen niederdeutsche, Bevölkerung zugeführt werden. Die Ansiedlung blühte zur Stadt empor. Schon 1213 wurde die Marienkirche erwähnt, deren 1506-1554 aufgeführter Nachfolgebau zu den ältesten Gebäuden der Stadt gehört. Ihr wuchtiger Backsteinbau beherrscht den Großen Markt mit Schloß, Kolonnaden und Standbild des Alten Dessauers. Seit dem Anfange des 14. Jahrhunderts ist die Geschichte der Stadt aufs engste mit der Geschichte des Fürstentums verknüpft, das um Wohlstand, Ausbau und Schaffung eines Kulturzentrums ähnlich Weimar mit Erfolg bemüht war. Die Entwicklung war dadurch begünstigt, daß die Stadt von kriegerischen Einwirkungen größeren Umfanges unmittelbar nicht berührt wurde. Unter Fürst Georg wurde am 2. )uni 1534 die Reformation eingeführt.

Nach der endgültigen Vereinigung aller anhaltischen Fürstentümer wurde Dessau 1863 Haupt- und Residenzstadt für das ganze Land, die sie schon während der ersten Vereinigung von 1570-1603 gewesen war. Der militärische Berater des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm 1. und Feldherr Friedrichs des Großen, Fürst Leopold, der „Alte Dessauer", nahm eine wesentliche und großzügige Organisation zur Umgestaltung des Stadtbildes mit großen Straßenzügen vor. Von ihm bzw. seiner Mutter Henriette Katharina, der Oranierin, stammt auch die Schloßanlage Oranienbaum bei Dessau. Der kulturell bedeutendste Landesherr war Friedrich Franz, der zu Ausgang des 18. Jahrhunderts das heutige Dessau und berühmte Wörlitz schuf, die weltbekannten Sammlungen anlegte und das Friedrich-Theater errichtete. Die Stadt stellte bis zum Kriege einen Sammelpunkt höchster kultureller Güter dar, unter denen besonders Erwähnung verdient die Georgs-Bibliothek, untergebracht in der Landesbücherei. Sie enthält fast lückenlos das gesamte Schrifttum über die Reformation und die Reformatoren. Die bedeutendste Gemäldesammlung Mitteldeutschlands an alten deutschen Meistern Cranach, Dürer, Petrus Christus, holländischen und vlämischen Meistern befindet sich in der staatlichen Gemäldegalerie. Hierzu trat ein reges geistiges Leben, mit dem auch der Name des Philosophen Mendelssohn und das Erziehungswerk Basedows verknüpft sind, so daß die Stadt ein ganz eigenartiges Gepräge inmitten des mitteldeutschen Industriereviers aufwies. Rein äußerlich drückt sich die Eigenart in den vielen kunstvollen Parkschöpfungen und Bauten, den gepflegten Anlagen und Straßen aus. Hervorzuheben sind das ehemalige Hoftheater, dessen herrliche Fassade die Hauptverkehrsstraße ziert, das sogenannte Messelhaus, jetzt die Residenz des Reichsstatthalters für Braunschweig und Anhalt, die vielen Nachbildungen antiker Tempel und Tore im Georgium, Luisium, Wörlitz u. a. Das Gebäude des Bauhauses, dessen Wirken als Schule bis vor kurzem stark umstritten war, ist heute Sitz der Landesfrauenarbeitsschule.

Die Landschaft besteht in den eigenartig schönen Auewaldungen der Elbelandschaft mit uralten Eichen, großen geschlossenen Waldungen und den Flüssen, die in sich noch bedeutende Naturdenkmäler in der Vogelwelt und unter den Säugetieren die letzten Biber Deutschlands beherbergen.

Nach dem Kriege begann für Dessau ein Umformungsprozeß von der ruhigen Residenz zur achtunggebietenden Industriestadt, wie er in dem Ausmaß und Tempo kaum in einer anderen Mittelstadt erfolgte. Als wichtigstes Werk wurden immer mehr ausgebaut die Junkers-Flugzeugwerke mit ihren angegliederten wärmetechnischen und Forschungsbetrieben. Auch stammt aus der Flugzeugstadt der unbesiegte Luftheld Boelcke, dessen Denkmal den Ehrenfriedhof ziert. Ebenfalls in der ganzen Welt bekannt sind die Erzeugnisse der Bamag - Berlin-Anhaltischen Maschinenbau A.-G. -, der Zementmaschinenbau der Polysius A.-G., die Dessauer Waggonfabrik u. a. Die Deutsche Continental-Gasgesellschaft hat ihren Verwaltungssitz in Dessau. Der Elbeumschlaghafen Wallwitzhafen stellt eine der modernsten Anlagen der Art dar.

Die Umgebung von Dessau ist auf allen Wegen reizvoll. Sei es, daß man über Wörlitz mit seinem Park nach Berlin, über Mosigkau mit seinem lieblichen Schloßbau nach Halle oder durch die großen Waldungen nach Leipzig oder Magdeburg will - es verlohnt sich, Dessau einen Besuch abzustatten.

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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