
| SHELL STADTKARTE Nr. 61 ROSTOCK | Maßstab k.A. | Hergestellt: 1935 oder 1936 | Verlag: SHELL Reisedienst | Originalpreis: k.A. | | Direkt zur Karte |
|
|
Shell-Stadtkarte Nr.61 Rostock 
Rostock ein Name, der wie ein trutziger Fels in der Geschichte der Ostseestädte aufragt. Eigentlich die wahre Hauptstadt der beiden vereinigten Mecklenburg und vor 700 Jahren von den Herren des Landes, die bewußt und entschlossen Deutsche wurden, gegründet. Während der ganzen Blütezeit der Hansa hat sie diesem Bund angehört und war immer, auch noch heute, einer der Brennpunkte des deutsch-nordischen Verkehrs. Der Hauch der Ferne, unbekannter Welten, lebt auch heute noch in seinem Hafen, der von geschäftigem Verkehr durchpulst ist. Schiffbau, Maschinen und chemische Fabriken geben diesem Charakter der alten Hansastadt sein Gepräge. 
Von der wechselvollen Geschichte aber, die sie im Auf und Ab der Zeiten mit dem Lande ringsum erlebt hat, künden herrliche Bauwerke aus alter Zeit: allen voran die aus dem 13. Jahrhundert stammende gotische Marienkirche, die manch Sehenswertes in ihrem Innern birgt und mit dem grünpatinierten reichbetürmten Dach wie eine mächtige Zitadelle über dem Neuen Markt und der ganzen Stadt liegt. Zu dem Reiz dieses Marktplatzes, der mit zu den schönsten in Deutschland gehört kommt die eigenartige Anmut des stattlichen Rathauses, dessen gotischer Kern, von einem Barockvorbau fast verdeckt, von sieben Türmen gekrönt wird. Es lohnt, hier den Wagen halten zu lassen und einige Schritte diesem interessantesten Teil der Mittelstadt zu widmen. Überall alte, schöne Bauten mit prachtvoll gezierten Giebeln. Man versäume auch nicht, das Steintor und das aus neuerer Zeit stammende Ständehaus zu besuchen. Das Wahrzeichen der Altstadt ist der 126 m hohe Turm der Petrikirche, der noch heute den von der See kommenden Schiffern als Landmarke dient. Und in der früheren Neustadt sind es das Kröpeliner Tor und die Jakobikirche, die tiefe Eindrücke hinterlassen. Auch die Universität mit ihrer 500jährigen Überlieferung liegt hier. Neuzeitliche Stadtteile, moderne Bauten, und Straßenzüge außerhalb dieses älteren Stadtkerns zeigen, daß der alte vorwärtsstrebende Hanseatengeist noch heute in Rostock lebendig ist. Grün- und Schmuckplätze, vor allem der Stadtpark tragen den Duft des reichgesegneten Mecklenburger Landes in das Herz der Stadt und wecken die Lust zu frohen Fahrten. Herrliche Ziele locken. Der breite Strom der Unterwarnow gewährt wunderbare Ausblicke auf die ganze Stadt. Die Rostocker Heide, ein etwa 50 qkm großes Waldgebiet mit prächtigem Rot- und Schwarzwildbestand und wundervollen Uferwegen am Rande der Ostsee, ist leicht erreichbar und bietet dem Naturfreund unvergeßliche Eindrücke. 
Warnemünde, der bekannte Ostseebadeort, liegt vor den Toren der Stadt. Sein Strand und seine Molen sind bekannt genug, so daß ein weiteres Lob sich hier erübrigt. Wer es ruhiger um sich haben möchte, nicht ganz so modisch, wird vielleicht Heiligendamm, Brunshaupten, Arendsee oder Graal-Müritz vorziehen. Unserem schnellen Renner ist es gleich - auch sie sind in kurzer Zeit von Rostock zu erreichen. Bei Heiligendamm liegt Doberan, das in gleicher Weise den Badegast und Naturfreund wie den Kunst und Geschichtsfreund fesselt. Das Münster mit den Klosterbauten aus dem 13. Jahrhundert ist ein Kleinod der Gotik und des Klassizismus. Seine Stahlquellen sind weit bekannt. Im Osten liegt das eigenartige Fischland mit seinen Dörfern und Badeorten Wustrow, Althagen, Niehagen und dem unmittelbar angrenzenden, bereits zu Pommern gehörigen Ahrenshoop. Der Weg aus dem Inlande nach der mecklenburgischen Ostseeküste führt über Rostock, von hier aus streben vorzügliche Automobilstraßen strahlenförmig den genannten Badeorten zu, und so ist Rostock als Ausgangspunkt für den Besuch der mecklenburgischen Seebäder in neuerer Zeit mehr und mehr zur Fremdenstadt geworden. 
Tages- und Halbtagesausflüge ins Innere des Landes bieten ungeahnte Reize. Endlose Wälder, blaue Seen und liebliches Weideland fliegen an unseren Augen vorbei. Wir halten, wo es uns paßt: in Wismar, Rostocks Konkurrentin mit vielen Erinnerungen an alte Zeiten, in Güstrow im Herzen des Mecklenburger Landes mit dem schönen Markt, Schloß- und Domplatz und herrlichen Kunstschätzen, dem Wohnsitz des Bildhauers Ernst Barlach, in Schwerin mit dem berühmten Schloß. Wenn dann die Schatten am Abend länger werden, die Nebel über den Wäldern der Heimat Fritz Reuters brauen, dann freut man sich, wenn vor dem Kühler die Türme des alten Rostock wieder auftauchen, der Stadt, die gar nichts von der oft beredeten nordischen Steifheit hat, sondern kunstinnig - sein Stadttheater hat einen guten Ruf -, gastlich und gesellig ist und den Fremden bald heimisch werden läßt. Wenn Sie die ganze Karte begutachten möchten, müssen Sie nur auf den Link klicken. (Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |