ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 62 HEIDELBERG

Maßstab k.A.

Hergestellt: 1934 oder 1935

Verlag: SHELL Reisedienst

Originalpreis: k.A.

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Shell-Stadtkarte Nr.62 Heidelberg

Wo aus reichbewaldetem, engen Tal der Neckar sich in die oberrheinische Tiefebene ergießt, liegt eingebettet zwischen Berg und Fluß „Alt-Heidelberg", einer der landschaftlich schönsten Punkte der Erde, die weltberühmte Fremdenstadt, Deutschlands älteste Universität (1386). Den Zauber des Namens der leiderprobten Stadt hat nicht der höfische Prunk geschaffen, auch nicht die hohe Schule als solche, er ist geboren und belebt von der deutschen Dichtkunst. Hölderlin, Brentano, Goethe und die nach ihnen, bis auf Scheffel, sie waren es, die Heidelberg den Klang schufen.

In der wärmsten Gegend Deutschlands gelegen, geschützt durch die Berge, erfreut sich die Stadt inmitten ihrer bald 4000 ha großen Wälder, die mit wohlangelegten Wegen einen wunderbaren Park bilden, eines überaus milden Klimas, das die wirklich Früchte tragenden Mandelbäume und die Obstbäume an den Hängen und in der Ebene erblühen läßt, zu einer Zeit, in der in Norddeutschland kaum ein Ahnen des Frühlings durch die Natur geht. Geschichtliches: Heidelberg war fünfeinhalb Jahrhundert lang die
Hauptstadt der Kurpfalz bis zum Schicksalsjahr 1693. Seit 1214 residierten hier die Wittelsbacher und bauten am Schloß bis zum Dreißigjährigen Krieg. Pfalzgraf Ruprecht 1. gründete 1386 die Universität, Ruprecht III., der Erbauer der Heiliggeistkirche, wurde 1400 deutscher König. Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Stadt schwer zu leiden. Viel schlimmer war für Stadt und Schloß Heidelberg aber der Orleanssche Erbfolgekrieg, in dessen Verlauf die französische Soldateska Heidelberg, die prunkvolle Residenz, zum Trümmerhaufen machte. Schwere Jahrzehnte folgten, der Hof war nach Mannheim verzogen und die Universität kränkelte dahin, 1803 kam der rechtsrheinische Teil der Kurpfalz nach dem Willen Napoleons an Baden, das sofort den geistigen Wiederaufbau der Universität in die Wege leitete. Für den Besucher Heidelbergs gilt der erste Gang natürlich der weltberühmten Schloßruine, die nach ihrer Hofseite hin die herrlichsten Renaissance-Fassaden zeigt, im Keller das berühmte Heidelberger Faß (Fassungskraft 220000 Liter). Im Bandhaus der alte Rittersaal, als Festsaal wieder hergestellt. Zu Füßen des Schlosses die Altstadt, aus der die Heiliggeistkirche herausragt, und nahe bei ihr die alte Brücke, wunderbar in die Landschaft eingepaßt. Neben dem Turm der Kirche das Haus zum Ritter, das einzige Privathaus, das die Zerstörung Heidelbergs überlebte. Die Universität besitzt zwei große Gebäude an dem nach ihr benannten Platz. Das alte Haus hat den berühmten Karzer aufzuweisen, das sehr moderne neue Haus den Festsaal. In der Nähe die Universitätsbibliothek mit kostbaren Schätzen, ihr gegenüber die alte Universitätskirche, St. Peterskirche. östlich vom Neubau der Universität die architektonisch interessante Jesuitenkirche. Am Ufer des Flusses das Marstall genannte Gebäude, das früher Zeughaus und auch Mauthalle gewesen ist. Heute enthält es unter anderem die Speisehalle für Studenten (Mensa). Im Kliniken-Viertel im westlichen Stadtteil ist die stärkste Radiumquelle, die bis jetzt überhaupt bekannt ist, in Tiefe von 1022 Meter erbohrt; modernes Badehaus, im Sommer Trinkkuren im Stadtgarten und Schloßpark.

Der schönste Blick auf Alt-Heidelberg vom Philosophenweg am Hang des jenseitigen Berges, am östlichen Ende dieses Spazierganges die Hirschgasse, das älteste studentische Pauklokal Deutschlands. Die nähere und weitere Umgebung Heidelbergs ist entzückend schön und besonders abwechslungsreich. Von der Stadt führen Bergbahn und Autostraßen auf den bald 600 Meter hohen Königstuhl, in dessen Gebiet Waldspaziergänge führen. Berühmt ist das romantische Neckartal, Neckargemünd, Neckarsteinach, Hirschhorn, Eberbach, Zwingenberg, die Burg des Götz von Berlichingen und Bad Wimpfen sind die Glanzpunkte darin.

Nach Norden zu gegen Darmstadt führt die alte Bergstraße, die durch ihren Blütenreichtum dem reisenden Publikum bekannt geworden ist. Nach Westen zu erreicht man Schwetzingen mit seinem schönsten Schloßpark Deutschlands, die alte Kaiserstadt Speyer und die moderne Doppelstadt Mannheim-Ludwigshafen und weiterhin Worms, wohl die älteste deutsche Stadt. Weiter im Westen die Ostabhänge der Haardt mit den wunderbaren Pfalzweinen, Burg Limburg und Bad Dürkheim. Nach Osten zu bietet der Odenwald die mannigfachsten Touren und nach Süd-Osten das Kraichgau Hügelland, das durchfahren wird auf dem Wege nach Nürnberg und Stuttgart. An der Straße nach Süden liegt Bruchsal mit seinem geradezu einzigen Rokokoschloß der Bischöfe von Speyer, dann die badische Landeshauptstadt Karlsruhe und endlich Baden-Baden, das 2000 Jahre alte Heilbad.

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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