ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 64 POTSDAM

Verlag: SHELL Reisedienst

Erscheinungsjahr: 1935/36

Verlag: RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT

Originalpreis: k.A. (War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.)

Titelbild: Garnisonkirche

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Shell-Stadtkarte Nr.64 Potsdam

Die Stadt Friedrichs des Großen, des Philosophen von Sans-souci, ehemalige Residenz der Preußischen Könige, weist eine solche Fülle reizvoller landschaftlicher Schönheiten, historischer Stätten und architektonischer Sehenswürdigkeiten auf, wie sie wohl nur selten wieder eine Stadt unseres Vaterlandes zu bieten vermag.

Allein schon das Gesamtbild Potsdams mit seinen überragenden Schlössern, Kuppelbauten und Türmen, umrahmt von dem Tiefblau der Havel und der von ihr gebildeten großen Seen, dem Dunkelgrün seiner großen, herrlichen Parkanlagen (2000 ha) und umgeben von sich lang hinstreckenden Höhenzügen mit uralten Kiefern- und Laubwäldern (6000 ha), ist von einer so reinen, stillen und dennoch überwältigenden Harmonie, daß es bei jedem Besucher unvergeßliche Eindrücke hinterläßt, die ihn immer wieder nach Potsdam zurückziehen. Es ist dann auch kein Wunder, daß alljährlich Millionen aus dem deutschen Vaterlande sowie aus aller Herren Länder diese „Perle" der Mark Brandenburg aufsuchen, um all die landschaftlichen und städtebaulichen Schönheiten Potsdams und seiner Umgebung kennenzulernen und zu bewundern und unter den Wahrzeichen der großen historischen Vergangenheit Preußen Deutschlands, die geweiht sind durch das Wirken Friedrichs des Großen und seines Vaters, Friedrich Wilhelm 1., eine Stunde ehrfurchtsvoller Erinnerung zu verbringen.

Ursprünglich war Potsdam eine wendische Siedlung, die erstmalig unter dem Namen „Potztupimi" in einer Urkunde Kaiser Ottos III. vom 3. Juli 993 genannt wird. Gelegen an dem Nordufer der Havel war es Aufgabe dieser Siedlung, den Ober- und Unterlauf der Havel und den Zusammenfluß der Nuthe mit der Havel zu überwachen. Ausgrabungen in der Gegend der heutigen Heiligengeistkirche geben unzweifelhaft Kunde von dem früheren Vorhandensein eines wendischen Burg- und Grenzwalles und weisen eindeutig auf den Ursprung Potsdams hin. Aus diesen Anfängen heraus hat sich dann Potsdam, wesentlich bestimmt und gefördert durch den Schöpfergeist Friedrichs des Großen, des Erbauers des Schlosses und Parkes Sans-souci, sowie durch den Kunstsinn aller anderen preußischen Könige zu seiner heutigen Größe und Bedeutung als Fremdenstadt entwickelt, ohne daß jedoch sein historisches Gepräge beeinträchtigt worden wäre.

Potsdam zählt heute rund 74000 Einwohner, ist Sitz vieler Reichsund Staatsbehörden, verfügt über gute Verkehrseinrichtungen - elektrische Straßenbahnen, Autoomnibusse, Kraftdroschken u. a. - und bietet mit seinen neuzeitlich eingerichteten Hotels und Restaurationen die Gewähr dafür, daß jeder Besucher auch bei längerem Aufenthalt in allen seinen Ansprüchen restlos zufrieden gestellt wird.

Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten sind zu zählen: Die Garnisonkirche mit der Gruft Friedrichs des Großen und seines Vaters, Friedrich Wilhelm 1., des Soldatenkönigs. In dieser Kirche wurde am 21. März 1933 das vereinte neue Deutschland durch einen feierlichen Staatsakt aus der Taufe gehoben; das Stadtschloß mit dem Lustgarten und in seiner unmittelbaren Nähe am alten Markt die Nicolaikirche, das Rathaus mit dem die Weltkugel tragenden Atlas sowie der Palast Barberini; der Park Sans-souci mit der historischen Mühle, der Orangerie mit einer bedeutenden Gemäldegalerie, dem Neuen Palais und dem Antiken Tempel, der Ruhestätte der letzten Deutschen Kaiserin; die Russische Kolonie; der neue Garten mit dem Marmorpalais am Heiligen See; die Holländische Kolonie; das Reichsarchiv auf dem Brauhausberg; der großzügig angelegte Land- und Wassersportplatz Luftschiffhafen, am Templiner See gelegen, mit dem Stadion, der Stätte vieler großer vaterländischer und politischer Kundgebungen, und einem neuzeitlich eingerichteten Strandbad; in unmittelbarer Nähe des Luftschiffhafens der Wildpark, in dem noch heute ein großes Gehege von Dam- und Rotwild gehalten wird.

Gelegenheit zu ausgedehnten Wasserfahrten mit Dampfern und anderen Wasserfahrzeugen jeder Art nach Sakrow mit der Heilandskirche, Pfaueninsel - dem zeitweiligen Sommeraufenthalt der Königin Luise -, Wannsee, mit einem riesigen vollkommen modern eingerichteten Strandbad, Spandau und Berlin, sowie nach Werder an der Havel, der Obstkammer Groß-Berlins, bekannt auch durch seine herrliche Baumblüte, und nach Brandenburg an der Havel mit dem berühmten Roland und den schönen Kirchenbauten in Backsteingotik.

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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