
| SHELL STADTKARTE Nr. 65 TRIER | Maßstab k.A. | Hergestellt: 1935 oder 1936 | Verlag: SHELL Reisedienst | Originalpreis: k.A. | | Direkt zur Karte |
|
|
Shell-Stadtkarte Nr.65 Trier 
Trier die älteste Stadt nördlich der Alpen, gehört unbestritten zu den interessantesten Städten Deutschlands. Von Kaiser Augustus als Augusta Treverorum, die Kaiserstadt der heimischen Treverer, um 14 v. Chr. gegründet, darf die Stadt auf ein Alter von fast 2000 Jahren stolz zurückblicken. Infolge ihrer für die damaligen Verhältnisse günstigen Lage am Schnittpunkt wichtiger Militär- und Handelsstraßen, die von Gallien den Zugang zum Rheine sicherten, entwickelte sich die Stadt sehr schnell und war in spätrömischer Zeit auf die Dauer von 125 Jahren Residenz der weströmischen Kaiser, die über Germanien, Gallien, Spanien und Britannien herrschten. Dreimal so groß wie das römische Köln und ein Drittel so groß wie Rom selbst war diese Stadt, die als geistiger und künstlerischer Mittelpunkt mit etwa 100000 Einwohnern zu den 6 größten Städten des römischen Imperiums zählte. Im 3. Fahrhundert fand das Christentum in Trier Eingang und errichtete hier bald einen Bischofssitz. 
Wenn dieser schon unter der Römerherrschaft eine große Bedeutung erlangt hatte, so wuchs diese nach der Machtübernahme durch die Franken immer mehr dank der Unterstützung, die die Frankenkönige den Bischöfen angedeihen ließen. Die auf Veranlassung Karls des Großen erfolgte Erhebung des Bistums Trier zum Erzbistum unter Angliederung der drei Bistümer Metz, Toul und Verdun durch den Vertrag von Verdun 843 unter Ludwig dem Frommen legte den Grund zum selbständigen Staat, dessen Landesherren, die Erzbischöfe, die Kurwürde innehatten. Sie verfügten über eine große politische Macht, die sich hin und wieder, so unter dem bedeutenden Balduin von Luxemburg (1307-54), entscheidend auf die Reichspolitik auswirkte. In geistiger und künstlerischer Beziehung haben die Trierer Landesfürsten die große Tradition der Stadt stets gewahrt, so durch die Förderung des Kunsthandwerks, Gründung von Klostern und einer Universität, die allerdings nach dreihundertjährigem Bestehen im 18. Jahrhundert aufgehoben wurde. Die zahlreichen Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts, wie der 30jährige Krieg, die Raubkriege Ludwigs des XIV. und die Wirren der französischen Revolution, hatten Stadt und Land großen Schaden zugefügt; Trier war um 1800 fast zur Bedeutungslosigkeit eines Dorfes herabgesunken. Nach vorübergehender Zugehörigkeit zu Frankreich fiel Kurtrier durch den Wiener Frieden an Preußen, unter dessen Schutz sich die Stadt zum ersten Handelsplatz für Qualitätsweine der Mosel, Saar und Ruwer entfaltete. Der unglückliche Ausgang des letzten Krieges, insbesondere aber die Entmilitarisierungsklauseln und die willkürliche Grenzziehung des Versailler Vertrages und die fast zwölfjährige Besatzung haben aber fast die gesamte Wirtschaft zum Erliegen gebracht. 
Die Geschichte der Stadt spiegelt sich wieder in den zahlreichen das Stadtbild belebenden Bauten und Kunstschätzen, die in Kirchen und Sammlungen zusammengetragen sind. Keine Stadt nördlich der Alpen kann sich rühmen, solch großartige Denkmäler römischer Kultur zu besitzen, wie sie die Porta Nigra, die ausgedehnten Kaiserthermen, die geräumige Basilika und das 30000 Zuschauer fassende Amphitheater darstellen. Überall begegnet man den Spuren aus der Römerzeit. Aber auch das Mittelalter und die späteren Epochen sind gut vertreten. Romanisch sind die Westfassade des Domes und der Frankenturm. Die Gotik verkörpern u. a. die herrliche Liebfrauenkirche, der Domkreuzgang und die hübsche Steipe am Hauptmarkt. Das kurfürstliche Palais und die sehr schöne Freitreppe sind im Rokoko-Baustil errichtet, während die prächtig ausgemalte Paulinkirche, die nach den Plänen von Balthasar Neumann, dem Erbauer des Würzburger Schlosses, erbaut wurde, ein glänzendes Beispiel entwickelten Barocks darstellt. Daneben finden Beachtung die Stadtbibliothek, die Schatzkammern des Domes und von St. Matthias, das Provinzialmuseum, Diözesanmuseum, Moselmuseum und das einzigartige Deutsche Weinmuseum. Die neuere Zeit zeigt sich in stattlichen Bauten und Anlagen, worunter das Hindenburggymnasium, das Stadtbad, die St. Bonifatiuskirche, die große Sportanlage D'ham und der Uferschutzdamm mit der neuen Autostraße zu nennen sind. Triers Umgebung ist äußerst reich an anziehenden Ausflugszielen in landschaftlich reizvoller Lage, sei es inmitten ausgedehnter Wälder, sei es inmitten sorgsam gepflegter Weinberae, die die Ufer der Flüsse säumen. Da ist das schöne Saartal mit solch reizenden Weinorten wie dem mittelalterlichen Saarburg (Fernverkehrsstraße 51) oder herrlichen Aussichtspunkten wie der Klause bei Castel. Ins nahe Sauertal, zur wildzerklüfteten Echternacher Schweiz und zur Stadt Luxemburg führt die Fernverkehrsstraße 49. Sehr lohnend ist eine Fahrt über Kyllburg oder Wittlich (F. V. 49) in die Eifel zu den eigenartigen Vulkanseen bei Daun, empfehlenswert ein Ausflug über Clausen oder unter Benutzung der neuen Mittelmoselstraße zur weingesegneten Mosel mit den bekannten Weinorten Piesport, Bernkastel, Traben-Trarbach, dem heute noch im mittelalterlichen Charakter erhaltenen Beilstein und dem reizenden Cochem. Aber auch das noch in den wildreichen Hunsrück nach Hermeskeil und zum Erbeskopf, dem höchsten Berg der Rheinprovinz (816 Meter), führende Tal der Ruwer (F. V. 52) mit den Flecken Waidrach und Sommerau, sowie das hübsche Nahetal, mit Idar und Oberstein (F. V. 52/53), wo die Achatschleifereien heimisch sind, bieten ausgezeichnete Ausflugsgelegenheiten. 
Wenn Sie die ganze Karte begutachten möchten, müssen Sie nur auf den Link klicken. (Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |