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| SHELL STADTKARTE Nr. 67 HILDESHEIM | | Verlag: SHELL Reisedienst | Titelbild: Rolandbrunnen und Knochenhauer-Amtshaus | Erscheinungsjahr: 1935/36 | Verlag: SHELL Deutschland Holding GmbH | Originalpreis: k.A. | | Direkt zum Stadtplan |
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Shell-Stadtkarte Nr.67 Hildesheim

Keine Stadt des deutschen Nordens zeigt so viel an handwerklicher Tradition, verflochten mit germanischem Weistum, wie gerade Hildesheim. Rückhaltlos wird von Kunstgelehrten und Laien Hildesheim die Krone zuerkannt, die schönste der nordischen Städte zu sein. Hildesheim liegt an der Innerste, einem Nebenfluß der Leine, und ist umgeben von einem Grüngürtel und waldigen Berghängen. 
Prähistorische Funde lassen den Schluß zu, daß hier im fruchtbaren Tale der Innerste, schon früh ein hochentwickeltes Geschlecht lebte. Der berühmte, vielumstrittene Hildesheimer Silberfund römischer und belgischer Herkunft bringt uns in Verbindung mit den Kämpfen der Germanen gegen die Invasion der Römer. Urnen- und Waffenfunde, die noch in letzter Zeit bei Aushebung der Stichkanäle zum Mittellandkanal gemacht wurden, bieten Belege für die Merowingerzeit. Mit Bischof Bernward (933-1022) beginnt eine wirkliche Geschichtsschreibung Hildesheims. Bernward ist es auch, der, neben großen Taten der Baukunst, dem Kunstgewerbe neue Wege weist. Auf Schritt und Tritt begegnen wir in Hildesheim den Zeugen bernwardinischer Tage. Aus ihnen entwickelt sich Hildesheimsche Kunst und Hildesheimsches Handwerk. Bernwards Kirche zum hl. Michael ist vielleicht das bedeutendste Bauwerk und Vorbild geworden für nachfolgende kirchliche Bauten. Seine Erzgüsse (Paradies-Türen, Christussäule) und viele Werke der Kleinkunst erregen die Bewunderung der ganzen Welt. 
Um 1200 setzt ein Erstarken des Bürgertums ein. Herrliche, das Staunen aller Reisenden erregende Bürgerbauten und Gildenhäuser entstehen und lassen neben dem hohen Kunstsinn des Handwerks und der Bauherren deren Reichtum erkennen. Wir zeigen einige dieser prächtigen in Eichenholz geschnitzten Häuser im Bilde, voran das schönste Holzhaus der Welt, das Amtshaus der Knochenhauer. Im 30jährigen Kriege ging viel Schönes verloren. Durch Napoleons Dekret kommt die Stadt 1806 an das Königreich Westfalen und nach vorübergehender, unter hannoverscher Herrschaft stehender Zeit 1866 an Preußen, damals mit etwa 11 000 Einwohnern. Von nun an hebt sich der Wohlstand der Stadt wieder, sie entwickelt sich zu einer hlühenden Industrie- und Handelsstadt, die heute 63 000 Einwohner zählt. Zwei Jahrhunderte Holzbaukunst von 1418 bis 1623 schließt dieser kurze Rückblick zur Geschichte Hildesheims ein; Wunder der Holzbaukunst stehen heute noch in fast geschlossenen Straßenzügen, 700 Fachwerkhäuser zum Staunen Einheimischer und Fremder.

In stillen Kreuzgängen, Gassen und Winkeln raunen Sage und Geschichte, rankt der 1000jährige Rosenstock seine Zweige am alten Domgemäuer, weithin glänzt des Domes goldene Kuppel, und aus dem rotgedeckten hochgiebeligen Häusergewirr ragen altersgraue Türme zum Himmel. Eine Symphonie der Farben breitet sich vor uns aus, wenn im Glanze scheidender Abendsonne das Auge von be. waldeten Höhen auf alle die Herrlichkeiten blickt. Aber nicht nur das von den Vätern Ererbte ist wert, beachtet zu werden. Weltberühmte Museen ziehen Einheimische wie Fremde in ihren Bann. Das von Senator Roemer begründete RoemerMuseum enthält Sammlungen der Kunde der Natur und Kunst. Diese wie auch die ägyptische Sammlung des EhrenbürgersDr.h.c.Pelizaeus im Pellzaeus-Museum ist weit über die Grenzen Hildesheims hinaus, selbst im Ausland bekannt. Eine bleibende Erinnerung bildet der wundervoll malerische Marktplatz, und gern wird der Fremde an einen Besuch des Ratskellers und der Domschenke zurückdenken. Als Schulstadt ersten Ranges steht Hildesheim in Deutschland mit obenan. Neben allgemeinen Bildungsanstalten bestehen Fachund Berufsschulen. Ein besonderes Heft, welches Hildesheim als Schulstadt behandelt, gibt nähere Auskunft und ist durch den Verkehrsverein erhältlich.

Handel und Gewerbe und ein hervorragender Handwerkerstand genießen den besten Ruf, der unter der nationalsozialistischen Regierung einen neuen kraftvollen Anstoß erfahren hat. Groß- und Kleinindustrie, unter Ausschaltung der sogenannten Schwerindustrie, sind in Hildesheim seit langem zu Hause. Im Bergbau wird Kali gefördert. Hildesheim kommt die günstige geographische Lage im Herzen Deutschlands zustatten. Große Eisenbahnlinien kreuzen sich hier, und die große Autostraße von Hamburg über Frankfurt nach Basel wird unmittelbar an Hildesheim vorbeigeführt und erhält Verbindungen nach Hildesheim. In malerischer, bergiger Umgebung liegen in nächster Nähe Hildesheims Bad Salzdetfurth, berühmt durch seine radioaktiven Quellen, das malerische Derneburg, Marienrode und Heinde, wo in der Dorfkirche Freiherr v. Stein, der Reformator Preußens, getraut wurde. Leicht erreichbar von Hildesheim sind die Städte Braunschweig, Goslar, Wolfenbüttel, Hameln und die Stadt im Grünen: Hannover. Auch in diesen Städten bestehen altehrwürdige Bauten, die gesehen zu haben sich lohnt. (H. Küsthardt) Wenn Sie die ganze Karte begutachten möchten, müssen Sie nur auf den Link klicken. (Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |
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