ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 68 KOBLENZ

Maßstab k.A.

Hergestellt: 1934 oder 1935

Verlag: SHELL Reisedienst

Originalpreis: k.A.

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Shell-Stadtkarte Nr.68 Koblenz

Wo der Rhein nach einem Weg durch ein enges Felsental in die Ebene des Neuwieder Beckens eintritt, wo ihm von rechts die stille Lahn, von links die weinfrohe Mosel zufließt, dort liegt, eingefaßt von einem Kranze waldiger Höhen, die Provinzialhauptstadt Koblenz. Der Schnittpunkt dreier Flußtäler ist verkehrsgeographisch von so großer Bedeutung, daß an dieser Stelle zwangsläufig eine Siedlung entstehen mußte. Und so gab es hier auch schon eine starke Niederlassung der Römer, deren Legionen von ihrem Castell Confluentes aus in die germanischen Wälder des Ostufers hineintasteten. Ganz in der Nähe, am Königsstuhl zu Rhens, kamen die deutschen Kurfürsten zur Königswahl zusammen. Lange resi­dierten die Kurfürsten von Trier auf ihrer stärksten Burg, dem Ehrenbreitstein gegenüber der Stadt, und später in dem von Clemens Wenzeslaus erbauten prächtigen Schloß in Koblenz. In preußischer Zeit war die Stadt eine bedeutende Festung mit star­ker Garnison. Die preußische Regierung ließ auch die von den Franzosen zerstörte Bergfeste Ehrenbreitstein wieder aufbauen, so daß deren gewaltige Mauern noch heute das Rhein- und Moseltal weithin beherrschen.

Ehrwürdiges Alter und das künstlerische Schaffen vergangener Zeiten schauen uns an aus den Kirchen der Altstadt: dem St. Castordom aus dem Jahre 836, der Liebfrauenkirche mit ihren harmonisch zusammenklingenden Stilarten verschiedener Perioden, den ernsten Türmen der Florinskirche aus dem 10. Jahrhundert, der Jesuitenkirche, einem kunstgeschichtlichen Kleinod des 17. Jahrhunderts. Auch eine Reihe von Profanbauten sind uns erhalten geblieben als Zeugen des Wirkens dahingegangener Geschlechter: die alte kur­fürstliche Burg an der Mosel mit reichen Sehenswürdigkeiten, er­baut 1280, das Kaufhaus und Schöffenhaus am Florinsmarkt, die Giebel stolzer Adelshöfe und kunstvoller Bürgerhäuser, die Ballai der Deutschordensritter, das als Jesuitenkolleg erbaute Rathaus und das frühere kurfürstliche Schloß, der Lieblingsaufenthalt der Kaiserin Augusta.

Die neue Zeit grüßt uns aus den in den letzten Jahrzehnten ent­standenen Kirchen, aus den großen Verwaltungsgebäuden der Be­hörden, der Stadthalle mit dem Ausstellungsgelände und der Rheinhalle. Einen Schatz mannigfacher Sehenswürdigkeiten bergen das Rheinmuseum und das städtische Museum im Schloß. Überall trifft man auf Denkmäler großer Männer, die in Koblenz geboren wurden oder gewirkt haben (Johannes Müller, Schenkendorf, Görres, Goeben).

Das Antlitz der Stadt, das mit alten und etwas winkeligen Zügen zur Mosel schaut, wendet sich mit modernen und frohen Linien zum Rhein. Hier reckt sich am Zusammenfluß von Rhein und Mosel am Deutschen Eck das Monumentaldenkmal Kaiser Wilhelms I. hoch über das Flußtal. Große Hotels drängen sich an der Promenade. Dann beginnen am Schloß die berühmten Kaiserin-Augusta-Anlagen, die kaum ihresgleichen haben in irgendeiner Stadt. Kilometerweit ziehen sie sich den Rhein entlang, vorbei am Denkmal ihrer Schöpferin, vorbei an der idyllischen Insel Oberwerth bis an den Fuß des Rittersturzes, der schroffen Hunsrückkuppe im Süden der Stadt, auf der sich das städtische Berghotel erhebt, am Rande des 7000 Morgen großen Stadtwaldes, durch den schattige Wege ins Rhein- und Moseltal hinabführen.

Und würdig der Stadt ist das umliegende Land. Bei Koblenz be­ginnt das enge Felsental des Rheins, das wegen seiner einzigartigen Schönheit den Namen des „romantischen" Rheins erhalten hat. Burgen und Ruinen grüßen von den Höhen ins Tal, an den Hängen grünen die Reben, alte Städte spiegeln sich in der Flut. Aus den Namen Stolzenfels, Braubach mit der Marksburg, Boppard, St. Goar mit der Loreley, Oberwesel, Caub, Bacharach, Aßmanns­hausen und Rüdesheim klingt uns die tiefe Poesie dieser Land­schaft entgegen.

Nicht weniger reizvoll ist der vielgewundene Lauf der Mosel, die an Burgen, Ruinen und berühmten Weinorten vorüberrauscht zum Deutschen Eck, wo ihre Fluten sich vereinigen mit denen des Vater Rhein.

Und von Osten kommt die Lahn aus grünem Waldtal, in dessen idyllischem Frieden alte berühmte Städte träumen, wie Limburg mit seinem Dom, Bad Nassau und Bad Ems. Uber das Kreuz der Flüsse hinweg grüßen sich die waldigen Kuppen der rheinischen Gebirge Eifel, Hunsrück, Westerwald und Taunus. In der herben Landschaft der Eifel mit ihren erloschenen Vulkankratern liegt die berühmte Benediktiner Abtei Maria Laach am Laacher See. Hinter dem Ehrenbreitstein grüßt von einer Höhe des Westerwaldes der bekannte Wallfahrts- und Ausflugsort Arenberg. Und die Hunsrück- und Taunuswälder bieten reiche Gelegen­heit zum frohen Wandern.

Die Stadt am Deutschen Eck liegt mitten im Kranz dieser Schön­heiten. Berge und Täler, Sonne und Wein klingen hier zusammen zu einem Lied starker, urwüchsiger Lebensfreude. Diese Stimmung schuf sich ihre schönste Pflegestätte in dem berühmten Weindorf, das versteckt im Grün der Rheinanlagen liegt. Hier finden Rhein­ und Moselstimmung jenen frohen Ausdruck, der allen, die einmal hier geweilt, diese Stunden unvergeßlich macht.

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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