Am Zusammenfluß von Donau, Jller und Blau liegt 480 m ü. d. M. das württembergische Ulm (63000 Einwohner). „In Ulm, um Ulm und um Ulm herum" ist vor allem das Münster, das mit seinem 162 m hohen Hauptturm - höchster Kirchturm der Erde - die Gegend weithin beherrscht, als wichtigstes Wahrzeichen und bedeutendstes Baudenkmal bekannt. 1377 begonnen und nach Jahrhunderte dauernder Unterbrechung 1890 vollendet, ist das Münster, insbesondere in seinem unvergleichlich schönen Chorgestühl, ein Meisterwerk der Gotik und ein lebendiger Zeuge hoher deutscher Handwerkskunst und opferbereiten Bürgersinnes. Das figurenreiche Hauptportal bereitet schon auf die überwältigenden Eindrücke des riesenhaften Innern vor. 27000 Personen kann die Kirche aufnehmen; die Orgel hat 108 Register und 8000 Pfeifen.

Die Altstadt Ulms bietet die schönsten Bilder mittelalterlicher Bauweise und vergangener Reichsstadtherrlichkeit. Von stimmungsvollem Reiz sind das Rathaus, das schönste in Schwaben, mit einer astronomischen Uhr, berühmten Wandmalereien und Giebeln, das Schwörhaus, Schuhhaus, Kornhaus, Steuerhaus, Zeughaus, der „Neue Bau", die Dürftige Stube und die Wengenkirche. Sehenswert ist das Städtische Museum, das, in alten Patrizierhäusern nach modernsten Grundsätzen eingerichtet, in überraschender Reichhaltigkeit die Entwicklung des kulturellen Lebens der Stadt vorführt. Ein schönes mittelalterliches Stadtbild zeigt der Marktplatz mit dem Syrilnbrunnen vom Jahre 1482 (Fischkasten) und dem Lichtensteinhaus.
In den winkeligen Gassen drängen sich mit hohen, überhängenden Giebeln die Patrizier- und Bürgerhäuser. Bei aller äußeren Schmucklosigkeit verraten sie im Innern durch reich ausgestaltete Kolonnaden und Galerien, prunkhafte Treppenhäuser und Hallen den Wohlstand und Kunstsinn der einstigen Besitzer.
In mehreren Armen durchschneidet die Blau die tiefgelegene Fischerstadt „Klein-Venedig", und die aus dem Wasser aufragenden Fachbauten der Gerber und Fischer, die heute noch diesen Stadtteil bewohnen, schaffen im Verein mit vielen Brücken und Stegen malerische, stets wechselnde Bilder. Interessant sind auch die bis in die Uranfänge der Stadt zurückgehenden Befestigungsanlagen, überragt von der gewaltigen Zitadelle Wilhelmsburg. Ulm war einst eine der größten Garnisonen Deutschlands und ist auch jetzt noch Standort mehrerer Truppenteile, Reichsfestung und Sitz zahlreicher Behörden. Schon im frühen Mittelalter war Ulm als Königspfalz und stark befestigter Platz bekannt. Ihre Glanzzeit erlebte die Reichsstadt im 14. und 15. Jahrhundert, als Ulm Vorort des Schwäbischen Städtebundes war. 1802 wurde es bayerisch, 1810 württembergisch. Die große Handelsstadt des Mittelalters ist auch heute noch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Eisenbahn- und Kraftwagenverkehr und Sitz großer Industrie- und Handelsfirmen. Bemerkenswert ist das Wiederaufleben der mittelalterlichen, einst so berühmten Ulmer Kunst in der „Ulmer Schule" und „Kunsthandwerkergilde".

Ein reges Geschäftsleben in den alten Straßen und Gassen und die ausgedehnten Anlagen zur Pflege der Leibesübungen, vor allem ein wunderbares Stadion mit Schwimmbecken, große Wohnungs. und Straßenbauten, Promenade-Anlagen u. a. m., beweisen, wie Ulm es verstanden hat, die Erhaltung wertvoller Überlieferungen mit den Erfordernissen neuzeitlicher Entwicklung in Einklang zu bringen. Auf dem rechten Donauufer liegt das bayerische Neu-Ulm - wie sein Name sagt, eine neuere Stadt (13000 Einwohner), früher auch große Garnison.
Überraschend gute Autostraßen ermöglichen schnelle Ausflüge in eine reizende vielgestaltige Umgebung. Der nächstgelegene kunstgeschichtlich wichtige Ort ist das 6 km südlich Ulm liegende Kloster Wiblingen, einst Benediktinerkloster, zeitweise herzogl. württemb. Schloß. Prachtvolle Spätbarockkirche, schöner Rokoko-Bibliotheksaal. Die Straße durch das Blautal führt nach kurzer Fahrt nach Blaubeuren. Reizvoll in einem Felsental der Schwäbischen Alb gelegenes Städtchen mit ehem. Benediktinerkloster. Weltberühmter Hochaltar. - Bei der Oberamtsstadt Ehingen führt die Straße in das Donautal. Alte Stadt mit reicher Vergangenheit. Sehenswerte Kirchen mit wertvollen Kunstwerken. Altertumsmuseum, Rathaus. Im oberen Donautal Sigmaringen, Beuron (Kloster), berühmte Schlösser, Ruinen, Felspartien. - In Richtung Stuttgart führt der Weg über die Ulmer Alb, dann die romantische Geislinger Steige hinab nach Geislingen. Prachtvoll gelegene Stadt am Zusammentreffen von fünf Tälern. Ausgangspunkt für prachtvolle Fahrten in Richtung Wiesensteig, Eybach, Weißenstein usw. - In Richtung HeidenheimAalen, 11 km von Ulm, auf beherrschender Höhe ehem. Benediktinerkloster Ober-Elchingen. - Heidenheim im idyllischen Brenz-Tal überragt von Schloß Hellenstein auf hohem Felsmassiv. Berühmtes Natur-Theater. Durch das 7Ilertal über 7liertissen mit Schloß aus dem 16. Jahrhundert nach Memmingen. Schöne alte Reichsstadt mit vielen interessanten Bauten. - Nach dem Bodensee über Erbach und Laupheim nach Biberach. Einst freie Reichstadt. Altstadt mit beträchtlichem Rest der Stadtbefestigung. Am Marktplatz gotische Pfarrkirche, Rathaus, bedeutende Sammlungen, wie WielandMuseum u. a. m. In der Nähe Schloß Warthausen mit Wieland-Erinnerungen und das Jordanbad, eine bekannte Heilstätte.