
| SHELL STADTKARTE Nr. 71 WEIMAR | | Verlag: SHELL Reisedienst | Titelbild: Goethe- und Schiller-Denkmal | Erscheinungsjahr: 1935/36 | Verlag: SHELL Deutschland Holding GmbH | Originalpreis: k.A. | | Direkt zum Stadtplan |
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Shell-Stadtkarte Nr.71 Weimar

Weimar eine Stadt von Weltruf, ein kulturelles Nationalheiligtum der Deutschen und der Gebildeten aller Welt, ist - was man über dem Klang dieses Namens fast vergessen könnte - die Hauptstadt des Freistaates Thüringen und hat 52000 Einwohner. 
Von 1547 bis 1918 war die an der lieblichen Ilm gelegene Stadt ständig Residenz des Wettinisch-Ernestinischen Fürstenhauses. Das alte Schloß, in dem der große Bernhard von Weimar geboren wurde, das neue Schloß der bis 1914 regierenden Großherzöge, die Landesbibliothek, das Fürstenhaus, das Wittumspalais und viele andere Bauten, altertümliche und interessante, sowie Namen wie Lucas Cranach (gest. 1553 in Weimar) und Joh. Seb. Bach (1708 bis 1717 Hoforganist in Weimar) erinnern an die bedeutende Vergangenheit. Schon 975 sprechen alte Urkunden von Weimar, als dort auf der Burg des Grafen Wilhelm Kaiser Otto II. aus dem sächsischen Kaisergeschlecht eine Fürstenversammlung abhielt. Die Weltgeltung Weimars begann mit dem Jahre 1775, als Herzog Karl August Goethe, Herder, Schiller, Wieland und andere zu sich berief. Die Erinnerung an diese Geistesgrößen spricht auch heute noch aus dem Stadtbild. Die Fürstengruft, in der die Gebeine Goethes und Schillers ruhen, das Goethe- und Schillerhaus, der Weimarer Park mit Goethes Gartenhaus und dem Römischen Haus - man brauchte Tage, um mit all den Gedanken fertig zu werden, die hier auf den Besucher vielgestaltig einstürmen. Neben diesen Gedenkstätten des Klassizismus tragen das Nietzsche-Archiv und das naturwissenschaftliche Museum, letzteres mit seinen wichtigen Funden vom vorgeschichtlichen Menschen aus den benachbarten Orten Ehringsdorf und Taubach, dazu bei, Weimar zu einem Ziel vieler Fremder zu machen. Aber nicht nur durch seine Vergangenheit wirkt Weimar, sondern auch heute noch bildet es durch die Musik- und Kunsthochschule und durch sein Theater eine lebende, befruchtende Stätte deutscher Geistigkeit. Das Weimarer Theater, das einst unter Goethes Leitung gestanden und seine Tradition erhalten hat, wurde im Jahre 1908 neu aufgebaut und trägt heute den Namen Deutsches Nationaltheater. Dichter, Künstler, gelehrte Gesellschaften, haben Weimar zu ihrem Sitz gewählt: die Goethe-, die Dante-, die Shakespeare-Gesellschaft, der Schillerbund, die Freunde des Nietzsche-Archivs und der Liszt-Bund, sie alle halten hier ihre Tagungen ab, zu denen sich dann Deutschlands führende Köpfe einstellen.  Das Weimar von heute pflegt aber nicht nur das Große und Unvergängliche aus Vergangenheit und Gegenwart deutschen Geisteslebens, sondern wird auch heutigen Erfordernissen gerecht. Anläßlich der Hundertjahrfeier von Goethes Todestag wurde die Weimarhalle (Stadthalle) eröffnet. Inmitten der Stadt im alten Froriepsgarten gelegen, mit Kammerspielbühne, Konferenzzimmern, großem Saal und anderem ausgestattet, bietet sie Versammlungsmöglichkeit für 500-3000 Personen. Besonders erwähnenswert sind daneben noch der Sportpark, der außer Sport- und Tennisplätzen ein vorbildliches Strandbad (Schwanseebad) enthält, und das Stadion, die „Thüringer Landeskampfbahn". Auch Industrie ist hier zu finden, doch nirgends ist sie so stark, daß das Bild der kultivierten ehemaligen Residenzstadt gestört würde. Baum- und villengekrönte, weichgerundete Höhen umsäumen die Stadt, und schöne Spaziergänge erstrecken sich zu den kulturhistorisch bedeutsamen Schlössern und Parkanlagen von Belvedere, Tiefurt und Ettersburg. Zudem ist Weimar landschaftlich durch seine Lage zum Thüringer Wald begünstigt. In unmittelbarer Nähe liegen die Luftkurorte Buchfart, Bad Berka und Blankenhain. Zwischen Bad Berka und Blankenhain erstreckt sich das zum Reichsehrenhain bestimmte Waldgelände, in dem das Reichsehrenmal zum Andenken an die deutschen Gefallenen des Weltkrieges geschaffen werden soll. Etwas weiter gelegen, aber im Kraftwagen leicht zu erreichen, sind die Perlen des Thüringer Waldes: Ilmenau, Paulinzella, Schwarzburg, Oberhof, Saalfeld mit seinen Feengrotten, Rudolstadt, Eisenach mit seiner Wartburg, Bad Liebenstein, die Feste Coburg. Arnstadt mit seinen Drei-Gleichen, Erfurt mit den Luther-Stätten, der Kyffhäuser und andere mehr liegen in greifbarer Nähe. 
Nicht vergessen werden darf Jena mit seiner alten Universität und den weltbekannten Zeißwerken, wobei man auf der Hinfahrt die alte Wasserburg Kapellendorf und auf dem Rückwege die Dornburger Schlösser zu besichtigen nicht versäumen sollte. Wer sich auch nur einige Tage in Weimar aufhält, wird unverlöschbare Eindrücke mitnehmen. 
Wenn Sie die ganze Karte begutachten möchten, müssen Sie nur auf den Link klicken. (Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |