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SHELL STADTKARTE Nr. 72 WORMS |
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Verlag: SHELL
Reisedienst |
Erscheinungsjahr:
1934/35 | Verlag:
RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT | Originalpreis: k.A.
(War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.) |
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Titelbild: Lutherdenkmal |
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Shell-Stadtkarte Nr.72 Worms

st an dem Kreuzpunkt uralter europäischer Völkerstraßen
aufgewachsen und seine vieltausendjährige Geschichte kennt
die ganze Größe und furchtbare Tragik dieser schicksalvollen
Lage. Das heutige Worms ist eine schöne und angenehme Stadt,
arbeitsam, verkehrsreich und erfüllt von vielen
Sehenswürdigkeiten. Ihren vollen Zauber aber entfaltet diese
Stadt erst, wenn man sich die Zeit nimmt, den
unerschöpflichen geschichtlichen Erinnerungen nachzugehen,
die den Besuch von Worms zu einem Erlebnis machen.
Im Mittelpunkt der Stadt kommen wir zu dem Schauplatz
zahlloser Reichstage und politischer Zusammenkünfte, an die
Stelle der alten Kaiserpfalz und des Bischofshofes,
deren Fundamente unter einem schönen Rasenteppich im
Schatten des Domes eingebettet liegen. Wir erleben in den
Prunkräumen des an der Stelle der immer wieder zerstörten
Paläste stehenden Heylshofes den Nachklang dieser
alten Herrlichkeit, den ergreifenden Zauber einer Stätte,
die vielleicht die an Schicksalen reichste in Deutschland
war. Wir erheben die Augen von dem Schloßgarten zu
der aufragenden steinernen Symphonie des Domes,
dessen vier Rundtürme und zwei Kuppeln ein Gotteshaus von
riesigen Ausmaßen bekrönen. In seinem Innern erlebt man
einen der erstaunlichsten Raumeindrücke und ist gefesselt
von der Pracht des Hochaltars, den Balthasar Neumann nach
der Zerstörung von 1689 schuf.

Wir gehen im Rathaus und Cornelianum den
Spuren kraftvoller bürgerlicher Machtentfaltung einer der
mächtigsten Freistädte des Reiches nach. In Fresken und
Bildwerken, im Siegfriedbrunnen und Nibelungensaal lebt die
alte Heldengeschichte unseres Volkes fort, die hier in Worms
bei der Königsburg Gunthers ihren Mittelpunkt hat. Am Rhein
steht der grimme Hagen, den Nibelungenschatz in den
Strom versenkend. In den Schränken des Stadtarchivs
ruhen wohlverwahrt vielhundertjährige Urkunden mit goldenen
Bullen, großen Wachssiegeln und feierlichen Handzeichen der
Kaiser, Päpste und Fürsten. Wir gehen zum Lutherdenkmal,
dem größten Reformationsdenkmal der Welt, einer
Verherrlichung des Reformationsgedankens, der in Worms bei
dem Reichstag von 1521 durch Luthers Bekenntnis seine
schicksalsvollste Stunde erlebte. Wir gehen nach St. Paul,
wo auf den Fundamenten der alten Herzogsburg der Salier eine
der merkwürdigsten Kirchen Deutschlands steht. Wir gehen zu
der Martinskirche, die Otto der Große über dem
verschlossenen Kerker des hl. Martinus gründete, und zur
Magnuskirche, in der zuerst die Lehre Luthers verkündigt
wurde. Die Liebfrauenkirche grüßt uns in gotischer
Anmut inmitten der schönen Weingärten, die die Heimat der
weltberühmten „Liebfraumilch" sind. Wir gehen zur
Dreifaltigkeitskirche, der großen Barockkirche der
evangelischen Stadt, und schließlich nach St. Andreas. In
der Andreaskirche und dem anschließenden Kreuzgang
erwartet uns eine besondere Überraschung: das neue Museum
der Stadt Worms. Hier steht sichtbar und wohlbehütet der
Beweis für die erstaunliche Tatsache vor unseren Augen,
daß Worms die älteste Stadt Deutschlands ist, die seit
über 5000 Jahren in ununterbrochener Folge besiedelt ist.
Wir wandern durch die Jahrtausende der Vorzeit, durch die
Stadt der Römer und der Franken. Mit Bewunderung sehen wir,
wieviel altes Kulturgut eine einzige Stadt und ihre Umgebung
bergen können. Wir gehen in schön gepflegten, mit Denkmälern
geschmückten Anlagen an Resten der alten Stadtbefestigung
vorbei, sehen das kleine Lutherpförtchen und gelangen
durch das Raschitor an eine 900jährige Synagoge. Auf Treppen
aus der Römerzeit steigen wir in ein Frauenbad hinunter. -
Wir finden hervorragende und sehenswerte Kulturinstitute:
die Sammlungen des Kunsthauses Heylshof und des
Museums, die bedeutende Stadtbibliothek im
Bergkloster und das reiche Schätze bergende
Stadtarchiv. Im städtischen Spiel- und Festhaus
mit seinem großen Theatersaal und neuen Bühnenhaus werden
gute Gastspiele der benachbarten Großstadtbühnen gegeben. -
Große Industrien, geführt durch die weltbekannte
Lederindustrie geben den Außenvierteln der Stadt das Gepräge
einer modernen Industriestadt.

Rings um Worms liegen die alten und neuen Städte: Mainz,
Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg, Mannheim,
Ludwigshafen in einer Entfernung von 20-60 km und schließen
einen Kreis lebendigster Kulturentfaltung ein. Zahlreich
sind die sehenswerten Örtlichkeiten in diesem von Natur und
Geschichte gesegneten Gebiet. Wie ein Traum steht die
Katharinenkirche in Oppenheim inmitten der
herrlichen Landschaft als ein Juwel gotischer Baukunst an
der Grenze zwischen dem Wormser und Mainzer Gebiet. In
Alzey begegnen uns Erinnerungen aus römischer Zeit und
eine Fülle von beachtenswerten Dingen aus der Zeit, als dort
der Sitz eines kurpfälzischen Oberamts war. Bad Kreuznach
lädt zum Besuch seiner weltberühmten Bäder ein, Neustadt
a. d. H. liegt inmitten der ganzen Schönheit des
pfälzischen Weinlandes. Auch Weinheim ist ein
beliebter Ausflugsort. Von seinen Burgen aus hat man einen
unvergeßlichen Blick in die weite Rheinebene. Darmstadt
bietet alle Sehenswürdigkeiten einer alten gepflegten
Residenz und Landeshauptstadt. Mannheim, die ehem.
Residenz der pfälzischen Kurfürsten, ist unerschöpflich in
dem Reichtum seiner neueren Kultur, die es bewahrt als die
größte Stadt des Rhein-Neckarlandes. Hundert Namen könnte
man nennen, die alle irgendwie ihren besonderen Klang haben
und alle den Ruhm des alten pfälzischen Landes am Rhein
verklären.

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |
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