Eisenachs größten Reiz bildet zweifellos seine herrliche
Lage am nördlichen Ausläufer des Thüringer Waldes und seine
wunderschöne Umgebung. Worte reichen nicht aus, um den
lieblichen Zauber einer Landschaft zu schildern, die sich
dem Automobilisten wie dem Wanderer in ungezählten Formen
erschließt. Marienthal und Drachenschlucht muß
jeder kennen, und keiner darf versäumen, den berühmten „Wartburgblick"
auf der „Hohen Sonne" zu genießen. (Auch den Ausblick
vom Hirschstein sollte man nicht vergessen - 5
Minuten Fußweg.) In wenigen Minuten erreicht der Wagen
Schloß Wilheimstal am See. Ihre Krönung aber findet die
Eisenacher Landschaft in der Wartburg.
Über sie scheinen alle Schimmer deutscher Romantik
ausgegossen. Aus geschichtlicher Ferne tauchen die Namen der
mächtigen Thüringer Landgrafen empor. Hier war die
Wohnstätte der heiligen Elisabeth, in deren rührender
Gestalt sich höchste kirchliche Frömmigkeit mit aufopfernder
Hingabe am Werke der Barmherzigkeit verbindet. Der
Sängerkrieg auf der Wartburg läßt Namen wie Walter von
der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach lebendig werden.

Die heutige Form wurde der Burg erst im vergangenen
Jahrhundert gegeben. Ihre Wiederherstellung ist das Werk des
Großherzogs Karl Alexander von Sachsen-Weimar und Hugo von
Ritgens. Wenn die offizielle Führung durch die der
Besichtigung zugänglichen Teile der Burg vorüber ist
(darunter die berühmte „Lutherstube", in der Luther durch
seine Bibelübersetzung das Fundament der deutschen Sprache
schuf), dann unbedingt hinauf auf den „Bergfried" im
hinteren Wartburghof, um von diesem Turm aus einen Blick auf
das mit Schönheit gesegnete Land zu werfen. Nördlich der
Burg vorgelagert ist der Metilstein. Er trug im
Thüringer Erbfolgekrieg eine Gegenburg, die aber von der
Wartburgbesatzung des Nachts erobert und dem Erdboden
gleichgemacht wurde. Die Wartburg selbst hat jeder
Belagerung getrotzt. Im Osten grüßen die wenig bewaldeten
Hörselberge, die durch die deutschen Sagen weit über die
Eisenacher Landschaft hinaus bekannt geworden sind, soll
doch aus ihnen das Wilde Heer zu nächtlichem Zuge
hervorgebrochen sein oder, wie andere Mären melden, Frau
Venus hier ihren Sitz gehabt haben. Im Westen schweift der
Blick bis zum Hohen Meißner bei Kassel, südwestlich
erheben sich die Basaltkuppen der Rhön, reizvoll
unterschieden von den langgestreckten Rücken der Thüringer
Berge. Im Süden und Südosten aber erstrecken sich in breitem
Strome zahllose Berge und Wälder, aus denen in der Ferne der
„Große Inselsberg" ragt, eine der höchsten Erhebungen
des Thüringer Waldes.
Das ganze ist eine Symphonie landschaftlicher Schönheit,
mit stärksten Akkorden im hellen Grün des Frühjahrs und in
den lodernden Farben des Herbstes.
Die Wartburg und Eisenach gehören zusammen wie der Edelstein
und seine Fassung. Wer beide nicht kennt, weiß nichts vom
Thüringer Wald 'in seinem schönsten Teil.
Dazu ist Eisenach nicht arm an Sehenswürdigkeiten. Wie
wunderschön schließen z. B. die alte Nikolaikirche
und der alte Turm der früheren Stadtbefestigung den
Karlsplatz nach Osten ab! Welche Schätze birgt das
Richard-Wagner-Museum in Fritz Reuters Sterbehaus
am Fuße der Wartburg; und welche Eindrücke vermittelt der
herrliche Karthausgarten mit seinen gärtnerischen
Anlagen und mächtigen Bäumen, die einen prachtvollen Blick
auf die Wartburg freigeben! Das alte Schloß mit
Thüringer Museum, Rathaus und Lutherhaus seien nur
nebenbei erwähnt. In der Geschichte ragt Eisenach nicht als
Mittelpunkt großer Weltereignisse hervor, aber mit seinem
Namen sind unvergängliche Gestalten des deutschen Genius
verknüpft. Hier durch des alten Eisenachs Gassen schritt
einst Martin Luther als Knabe und sang vor den
Häusern. Am Frauenplan liegt das schlichte Geburtshaus des
Altmeisters der Fuge, des Genius deutscher Kirchenmusik,
Johann Sebastian Bachs.
Wie keine zweite Stadt Mitteldeutschlands ist Eisenach
als Standquartier für den Automobilisten geschaffen. Seine
zentrale Lage gestattet nicht nur Ausflüge in die schönsten
Teile des Thüringer Waldes, sondern auch nach dem
Frankenwald, in die Rhön, nach dem schönen
Hessenland, ins untere Werratal mit seinen
malerischen Burgruinen usw.
Und schließlich: als vielbesuchte Kongreßstadt mit
starkem Fremdenverkehr verfügt Eisenach über eine große
Anzahl guter Hotels und Gaststätten, die jeden das für
seinen Geschmack Passende finden läßt.