ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 74 EISENACH

Verlag: SHELL Reisedienst

Erscheinungsjahr: 1935/36

Verlag: RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT

Originalpreis: k.A. (War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.)

Titelbild: Wartburg

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Shell-Stadtkarte Nr.74 Eisenach

Eisenachs größten Reiz bildet zweifellos seine herrliche Lage am nördlichen Ausläufer des Thüringer Waldes und seine wunderschöne Umgebung. Worte reichen nicht aus, um den lieblichen Zauber einer Landschaft zu schildern, die sich dem Automobilisten wie dem Wanderer in ungezählten Formen erschließt. Marienthal und Drachenschlucht muß jeder kennen, und keiner darf versäumen, den berühmten „Wartburgblick" auf der „Hohen Sonne" zu genießen. (Auch den Ausblick vom Hirschstein sollte man nicht vergessen - 5 Minuten Fußweg.) In wenigen Minuten erreicht der Wagen Schloß Wilheimstal am See. Ihre Krönung aber findet die Eisenacher Landschaft in der Wartburg.

Über sie scheinen alle Schimmer deutscher Romantik ausgegossen. Aus geschichtlicher Ferne tauchen die Namen der mächtigen Thüringer Landgrafen empor. Hier war die Wohnstätte der heiligen Elisabeth, in deren rührender Gestalt sich höchste kirchliche Frömmigkeit mit aufopfernder Hingabe am Werke der Barmherzigkeit verbindet. Der Sängerkrieg auf der Wartburg läßt Namen wie Walter von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach lebendig werden.

Die heutige Form wurde der Burg erst im vergangenen Jahrhundert gegeben. Ihre Wiederherstellung ist das Werk des Großherzogs Karl Alexander von Sachsen-Weimar und Hugo von Ritgens. Wenn die offizielle Führung durch die der Besichtigung zugänglichen Teile der Burg vorüber ist (darunter die berühmte „Lutherstube", in der Luther durch seine Bibelübersetzung das Fundament der deutschen Sprache schuf), dann unbedingt hinauf auf den „Bergfried" im hinteren Wartburghof, um von diesem Turm aus einen Blick auf das mit Schönheit gesegnete Land zu werfen. Nördlich der Burg vorgelagert ist der Metilstein. Er trug im Thüringer Erbfolgekrieg eine Gegenburg, die aber von der Wartburgbesatzung des Nachts erobert und dem Erdboden gleichgemacht wurde. Die Wartburg selbst hat jeder Belagerung getrotzt. Im Osten grüßen die wenig bewaldeten Hörselberge, die durch die deutschen Sagen weit über die Eisenacher Landschaft hinaus bekannt geworden sind, soll doch aus ihnen das Wilde Heer zu nächtlichem Zuge hervorgebrochen sein oder, wie andere Mären melden, Frau Venus hier ihren Sitz gehabt haben. Im Westen schweift der Blick bis zum Hohen Meißner bei Kassel, südwestlich erheben sich die Basaltkuppen der Rhön, reizvoll unterschieden von den langgestreckten Rücken der Thüringer Berge. Im Süden und Südosten aber erstrecken sich in breitem Strome zahllose Berge und Wälder, aus denen in der Ferne der „Große Inselsberg" ragt, eine der höchsten Erhebungen des Thüringer Waldes.

Das ganze ist eine Symphonie landschaftlicher Schönheit, mit stärksten Akkorden im hellen Grün des Frühjahrs und in den lodernden Farben des Herbstes.
Die Wartburg und Eisenach gehören zusammen wie der Edelstein und seine Fassung. Wer beide nicht kennt, weiß nichts vom Thüringer Wald 'in seinem schönsten Teil.

Dazu ist Eisenach nicht arm an Sehenswürdigkeiten. Wie wunderschön schließen z. B. die alte Nikolaikirche und der alte Turm der früheren Stadtbefestigung den Karlsplatz nach Osten ab! Welche Schätze birgt das Richard-Wagner-Museum in Fritz Reuters Sterbehaus am Fuße der Wartburg; und welche Eindrücke vermittelt der herrliche Karthausgarten mit seinen gärtnerischen Anlagen und mächtigen Bäumen, die einen prachtvollen Blick auf die Wartburg freigeben! Das alte Schloß mit Thüringer Museum, Rathaus und Lutherhaus seien nur nebenbei erwähnt. In der Geschichte ragt Eisenach nicht als Mittelpunkt großer Weltereignisse hervor, aber mit seinem Namen sind unvergängliche Gestalten des deutschen Genius verknüpft. Hier durch des alten Eisenachs Gassen schritt einst Martin Luther als Knabe und sang vor den Häusern. Am Frauenplan liegt das schlichte Geburtshaus des Altmeisters der Fuge, des Genius deutscher Kirchenmusik, Johann Sebastian Bachs.

Wie keine zweite Stadt Mitteldeutschlands ist Eisenach als Standquartier für den Automobilisten geschaffen. Seine zentrale Lage gestattet nicht nur Ausflüge in die schönsten Teile des Thüringer Waldes, sondern auch nach dem Frankenwald, in die Rhön, nach dem schönen Hessenland, ins untere Werratal mit seinen malerischen Burgruinen usw.

Und schließlich: als vielbesuchte Kongreßstadt mit starkem Fremdenverkehr verfügt Eisenach über eine große Anzahl guter Hotels und Gaststätten, die jeden das für seinen Geschmack Passende finden läßt.

 

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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