ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 75 GÖTTINGEN

Maßstab k.A.

Hergestellt: 1935 oder 1936

Verlag: SHELL Reisedienst

Originalpreis: k.A.

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Shell-Stadtkarte Nr.75 Göttingen

Bereits im Jahre 953 wird Göttingen in einer Urkunde Ottos des Großen als „villa Gutingi" zum ersten Male erwähnt. Damals noch eine dörfliche Ansiedlung, erhielt Göttingen unter Herzog Otto dem Kind um 1210 Stadtrechte. Im Westen der Stadt erhob sich die Kaiserpfalz Grona. Hier starb 1024 der Kaiser Heinrich II. Bald nach dem Tode Rudolfs von Habsburg 1291 wurde die Reichsburg Grona, deren Bewohner, die von Grona, als Raubritter die Göttinger schwer schädigten, zerstört. Später nahm Göttingen als Hansestadt unter den übrigen größeren deutschen Gemeinwesen eine geachtete Stellung ein. Von der kriegerischen, kampferprobten Bürgerschaft hieß es damals: „Die von Göttingen haben den Mut". Am 21. Oktober 1529 wurde in der großen Rathaushalle vor der gedrängt dastehenden Bürgerschaft die Einführung der Reformation verkündet. „Stadt im Streite die best', standest zu Luther fest, wurdest der Weisheit geweiht, Gott mit dir alle Zeit!" lautet ein späterer Wahlspruch in den von dem Maler Schaper-Hannover geschaffenen Wandgemälden in der Rathaushalle. Außerordentlich schwer hat Göttingen im Dreißigjährigen Kriege gelitten. Am 17. September 1737 wurde die durch Staatsminister Gerlach Adolf von Münchhausen eingerichtete Universität feierlich eingeweiht. Der große Kurator stattete sie im Gegensatz zu anderen deutschen Universitäten von vornherein mit der Lehrfreiheit aus. Dadurch wurden, wie noch heute, die bedeutendsten Gelehrten herangezogen. Im 19. Jahrhundert wirkten bahnbrechend auf dem Gebiet der Mathematik und Physik Gauss und Weber, welche im Jahre 1833 den elektrischen Telegraphen erfanden, in der Chemie Wöhler, der Entdecker des Aluminiums. Noch heute wird Göttingen das mathematische Zentrum der Welt genannt. Ein angesehener hannoverscher Ortsschreiber bezeichnet schon vor 80 Jahren Göttingen als eine der schönsten Städte des Landes und als die interessanteste von allen. Zu erwähnen sind hier die wertvollen Sammlungen, die Universitätsbibliothek, mit über 800000 Bänden neben Berlin und München an dritter Stelle stehend, die naturhistorischen, mineralogischen, geologisch-paläontologischen Sammlungen, der Botanische Garten, das Landwirtschaftliche Institut u. a. m. Die Aerodynamische Versuchsanstalt der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft begegnet weitestgehendem Interesse. Ein großes Stadion mit Schwimmbassin wird im Südwesten der Stadt errichtet. Der Universitätsbund ist bestrebt, das geistige und künstlerische Leben zu vertiefen und alle großzügigen Aufgaben der Universität Rohns zu fördern. In Bau befindet sich ein Kunsthistorisches Museum am Adolf-Hitler-Platz. Den kulturellen Bedürfnissen der gesamten Bürgerschaft dient das Stadttheater mit Konzertdarbietungen erster deutscher Künstler. Die seinerzeit von Prof. Dr. Hagen eingeführten Händelfestspiele werden in einer der heutigen Zeit entsprechenden veränderten Form neu belebt werden.

Wie die Leistungen Göttinger Gelehrter auf dem Gebiet der Naturwissenschaften in der ganzen Welt bekannt sind, so hat auch die von den wissenschaftlichen Fortschritten der an der Universität wirkenden Gelehrten immer wieder befruchtete Göttinger Industrie wissenschaftlicher Instrumente sich Weltruf zu erringen gewußt. Diese feinmechanische Industrie gibt der Stadt auch in wirtschaftlicher Hinsicht ein eigentümliches Gepräge.

Ein Gang durch die Straßen der Stadt und über den Hindenburgwall bietet ein trauliches Bild von Alt- und Neu-Göttingen. Auf dem südlichen Wall kommt man vorbei am Bismarckhäuschen, Bismarcks Studentenwohnung im Sommer 1833, das im vorigen Jahre anläßlich der 100. Wiederkehr des Tages der Immatrikulation zu einer Bismarck­gedächtnisstätte eingerichtet wurde Zeugen des Mittelalters sind das Rathaus (13.-15. Jahrhundert) mit dem Gänselieselbrunnen, die Kirchen St. 7ohannlis, Jacobi und Albani (14. und 15. )ahrhundert), das Haus der Deutschen Ordensritter mit Marienkirche (Mahrenholz­orgel). Einige sehenswerte Bauten der Spätrenaissance sind „Der Ring", Weenderstraße 59, das Junkernhaus, Barfüßerstraße, „Ouentins Ecke", der „Schwarze Bär", Kurzestraße. Man versäume nicht, die Universitäts-Gemäldesammlung am Geismartor mit seltenen Kupfer­stichen und die Stadt. Altertumssammlung am Ritterplan mit einer vorgeschichtlichen Abteilung zu besuchen. Die neue Oberrealschule mit Reformrealgymnasium, Oberlyzeum, Gymnasium, die Mittel- und Jolksschulen zeugen von einer weitgehenden Fürsorge auf schul­technischem Gebiet. - Wohnungen berühmter Männer sind durch Gedenktafeln gekennzeichnet.

Göttingen ist eine Gartenstadt mit Parkanlagen, die sich, bereits im Westen beginnend, bis zum Bismarckturm auf dem Hainberg (330 m) hinauf erstrecken und in den Stadtforst überleiten, (Ausflugslokale Kaiser-Wilhelm-Park, Rohns und Hainholzhof). In der weiteren Um­gebung werden vorzugsweise aufgesucht der Göttinger Wald mit Brockenblick (Mackenröderspitze), das Gartetal mit den Gleichen, das Bremkertal, Reinhausen, die „Kleine Schweiz", die Burgruinen Hardenberg und Plesse, zu deren Füßen das bekannte Tanzparadies „Marlaspring", Weiter ist Göttingen beliebt als Ausgangspunkt für weitere Ausflüge nach den Burgruinen Hanstein und Ludwigstein (Deutsche Jugend-Stammherberge), in das Werrageblet, nach Hann.­Münden mit Weser, Gaussturm bei Dransfeld, in den Solling sowie nicht selten für Fahrten in den Harz.

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte)


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