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SHELL STADTKARTE Nr. 79 SCHWERIN |
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Verlag: SHELL
Reisedienst |
Erscheinungsjahr:
1935/36 | Verlag:
RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE AKTIENGESELLSCHAFT | Originalpreis: k.A.
(War vermutlich einzeln kostenlos an Shell-Tankstellen erhältlich.) |
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Titelbild: Schloss |
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Shell-Stadtkarte Nr.79 Schwerin

Landeshauptstadt des geeinten Mecklenburgs und Sitz des
Reichsstatthalters von Mecklenburg-Lübeck. Einst
verschlossene kühle Residenz, heute von den Automobilisten
als schönstgelegene Stadt Mecklenburgs entdeckt und
gepriesen. Eingebettet in meilenweite Buchenwaldungen,
inmitten lachender Wasserflächen von sieben Seen, wird
Schwerin mit Recht die Stadt der Seen und Wälder genannt.
Die kleine Insel im Schweriner See, die noch heute das
Schloß trägt, ist der älteste Burgplatz Deutschlands. In der
Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg ist sie als
Zuarin zuerst im Jahre 1018 beurkundet. Rund 150 Jahre
später fiel sie, wie das ganze Obotritenland, dem
Welfenherzog Heinrich dem Löwen zu, als er 1160 die
Herrschaft des letzten heidnischen Wendenfürsten, Niklot,
zerschlug. So entstand 1161 Schwerin als erste deutsche
Stadt im Obotritenland. Im 16. Jahrhundert ward Schwerin die
Residenz der Herzöge von Mecklenburg und seit dem Jahre 1837
auch Sitz der Großherzöge von Mecklenburg und hat bis heute
den Charakter als Landeshauptstadt bewahrt.

Schwerin - inmitten der Stadt der Pfaffenteich, so oft
verglichen mit der Binnen-Alster Hamburgs, kennzeichnet die
enge Verbundenheit der Stadt mit dem Wasser. An seinem
Westufer die Adolf-Hitler-Kaserne, das frühere Arsenal. Weit
sichtbar der Dom, ein ziemlich reines Werk der Hochgotik aus
dem 15. Jahrhundert. Der älteste erhaltene Teil ist der
Chor, der Turm mit 117,5 m Höhe ein Neubau aus der zweiten
Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Als Domweihtag gilt der 9.
September 1171, unter dem Heinrich der Löwe die
Bewidmungsurkunde de! Bistums Schwerin zeichnete.
Interessant im Innern die Heilige Blutskapelle, die
Begräbnisstätte des Mecklenburgischen Fürstenhauses. Unter
andern Grabplatten ein Epitaph Peter Fischers. Ein
Schmuckstück schlichter Barockkultur ist die Schelfkirche.
In der Schloßstraße der Doppelbau des Regierungsgebäudes mit
einem prächtigen Blick auf das Schloß. Die Baugeschichte des
Schlosses begleitet durch die Jahrhunderte die Geschichte
der Stadt. Trotz mancher Einwände der Baukünstler ist es ein
Märchenschloß. Es webt um diese durcheinandergetürmten
Massen, um diese Türme, Giebel und vielzackigen Zinnen, ein
romantischer Stimmungszauber, so daß ein unvergeßlicher
Eindruck ersteht. Er wird mit dem Namen Schwerin auf immer
verknüpft sein. Der Burggarten am Schloß ist durch
zahlreiche ausländische, zum Teil seltene Bäume eine
Fundgrube für Dendrologen. Das Schloßmuseum ist einzig in
seiner Art in ganz Norddeutschland. Das Museum am alten
Garten legt mit einer bedeutenden Gemäldegalerie (u. a.
Rembrandt, Frans Hals, Karel Fabritius) und einer Sammlung
mecklenburgischer Altertümer Zeugnis von hoher
künstlerischer Kultur ab. Nach dem Beschluß des
Reichsstatthalters begann 1934 der Bau eines Museums in ganz
großem Ausmaße, das die gesamte vergangene nordische Kultur
zeigt. Das Staatstheater, berühmt durch seine Wagneroper,
nimmt in der Theatergeschichte einen beachtlichen Platz ein;
Richard Wagner hat hier 1873 selbst seinen Holländer
dirigiert. Das Theater hat auch in der Nachkriegszeit seinen
guten Ruf zu wahren verstanden.

Nach der Neuorganisation im Reiche ist und wird Schwerin
erst recht ein Sammel- und Treffpunkt für die Fremden
werden. Die Stadt ist Sitz einer Reihe von Behörden mit
ausgedehntem Verwaltungsnetz. (Sitz des Reichsstatthalters Hildebrandt, der
Regierung des jetzt geeinten Mecklenburgs, der Gruppe Hansa
der SA. u. a. m.) Auch das schon erwähnte im Entstehen
begriffene Nordische Museum wird ein Anziehungspunkt von
großem Ausmaß werden. Alles in allem: Die schöne Lage, das
kraftvolle, aufstrebende Leben der Stadt und nicht zuletzt
ein für den Besucher und Fremden wohl erzogener Hotel- und
Gastwirtsstand, erfüllen alle Vorbedingungen für einen
Ausflug nach Schwerin.
Der Vorort Zippendorf (4,5 km) bietet von seiner gepflegten
Strandpromenade einen wundervollen Ausblick auf den
Schweriner See, der sich gegen Norden bis zum
Eisenbahnknotenpunkt Bad Kleinen (20 km) erstreckt. Auf
einer Fahrt nach Wittenburg (35 km) und auch Gadebusch (24,1
km), einer der ältesten Städte des Mecklenburger Landes mit
einer alten romanischen Kirche, wird der Lankower See
(Vorort Lankow) berührt. Hier jenseits der Chaussee der
Medeweger See, die ideale Regattastrecke des Nordens. An der
gleichen Chaussee Friedrichsthal (6,5 km) mit dem Neumühler
See, der mit seinen Höhenufern besonders idyllisch gelegen
ist. Schwerin ist überhaupt der gegebene Ausgangspunkt für
Autoausflüge. Durch den Schloßgarten am Faulen-See entlang
nach Ludwigslust (35,6 km), der Gartenstadt mit dem
berühmten Schloßpark. Außerdem bieten in der Umgebung
Crivitz (19 km), Brüel (23,2 km) und Parchim (42,7 km), die
Geburtsstadt Moltkes, lohnende Ausflüge. Wismar (30,8 km)
legt mit seinen alten Kirchen und zahlreichen Jahrhunderte
alten Giebeln Zeugnis von ruhmreicher Vergangenheit ab. Die
Hansastadt Lübeck (41,8 km) ist baulich und kulturell
besonders interessant; Schwerin bleibt durch seine Wasser-
und Waldschönheit ein dauerndes Erlebnis.

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(Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |
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