
| SHELL STADTKARTE Nr. 89 WIEN | Maßstab k.A. | Hergestellt: 1939 | Verlag: SHELL Reisedienst | Originalpreis: k.A. | | Direkt zur Karte |
|
|

Wien - historisch gesehen Der gewaltige Bogen der Alpen und Karpaten wird in Europa nur an einer einzigen Stelle durch ein Becken unterbrochen, in das torartig die Enge zwischen Leopolds- und Bisamberg (Wiener Pforte) hinein und die Enge zwischen Thebner Kogel und Hainburger Bergen (Ungarische Pforte) hinausführt. Das Silberband der Donau leitet durch diese Pforten nach Osten; zwischen den beiden Toren liegt Wien. Dreifacher Art ist die Landschaft, in die das Wiener Stadtbild reicht: Im Westen und Norden umsäumen sanfte Sandsteinkuppen die Stadt; sie erreichen im Hermannskogel 542 m und tragen weithin Buchenforste. Es ist der Wiener Wald, dessen Randberge (Kahlenberg, Leopoldsberg) durch eine prächtige Höhenstraße das mühelose Erreichen herrlicher Aussichtspunkte gestatten. Der Blick schweift von hier über das ganze Stadtgebiet weit nach Osten und Süden bis zu den 2000 m hohen Kalkriesen des Schneeberges und der Rax. An diese Waldberge schließt sich ein stufenförmig zur Donau absteigendes Terrassenland. Die obersten Terrassen tragen Wiesen und Weingärten, Schlösser (Kobenzl) zieren den Waldrand; in den Tälern, die aus dem Wiener Wald heraus zur Donau reichen, liegen die berühmten Weinbaudörfer Grinzing, Sievering und Nußdorf. Die niedrigeren Terrassen sind von Gärten und Villenvororten besetzt; die unterste - etwa 25 m über dem in 160 m liegenden Stromspiegel - trägt die Altstadt von Wien, die „Innere Stadt". Vom ehemals breiten Auengürtel an der Donau ist nur der Augarten und der Prater mit seinen Vergnügungs- und Sportstätten erhalten geblieben; erst unterhalb der Stadt liegt die wildreiche Auenlandschaft der Lobau. Gegen Osten aber dehnt sich das mit Fabriken und Flachbausiedlungen bedeckte Marchfeld, das im Flugplatz nächst dem durch die Schlacht von 1809 berühmten Aspern einen Sammelpunkt des Fernverkehrs beherbergt. Auch nach Süden erstrecken sich Fabrikvororte (Simmering, Favoriten, Meidling) bis an die niedrigen Höhen des Wiener Berges, dessen Ziegelwerke das Baumaterial für die Großstadt liefern. Nach Westen hin öffnet sich zwischen den Wienerwaldbergen das villenumsäumte Tal der Wien. Auf diesem Raume umfaßt die Gemeinde Wien 278 km² mit 1870000 Einwohnern, der weiter in die Umgebung reichende Gau Wien an 720 km` und 2000000 Menschen; die Stadt ist somit die zweitgrößte Siedlung Großdeutschlands. Uralt ist dieser Wohnplatz am Völkertor Europas nach Osten. Schon seit der jüngeren Steinzeit sind Siedler am Leopoldsberg, im Wiental und am Donauufer nachgewiesen. Um die Zeitwende lag südlich des heutigen Stadtkernes eine Keltensiedlung namens Vindomina; um 50 n. Chr. errichteten die Römer am Steilrand der Donauterrasse ein Kastell zum Schutze der Legionsstraße, das den Namen Vindobona trug. Neben dem Donauweg wurde ein Nord-Südweg bedeutungsvoll, der am Ostalpenrande von der Donau nach Italien führte; nördlich der Donau gingen Wege im March- und Waagtal nach Norden zur Oder und zur Ostsee (Bernsteinstraße!). 
Im 5. Jahrhundert ging das Römerkastell Vindobona im Sturme der Völkerwanderung zu Grunde. Erst um 881 erscheint die Siedlung als Venia in den Kämpfen der Karolinger gegen die Magyaren wieder, doch erst im 11. Jahrhundert erhält sie einige Bedeutung (Vienni). Die Babenberger Markgrafen in der Ostmark führten bayrische und fränkische Kolonisten ins Wiener Becken; am Leopoldsberg stand ihre Burg, von der noch Reste der Grundmauern sichtbar sind. Durch den Donauhandel und die Kreuzzugszeit wächst die Stadt zum bedeutendsten Handelsvorposten des deutschen Donauverkehrs. Im Westen, Süden und Osten schließen sich neue Gebiete an; besonders die reichen Klöster der Ostmark (Schotten, Heiligenkreuz, Melk) bauen ausgedehnte Meierhöfe, bis um 1250 der Umfang der heutigen Altstadt erreicht ist. Ihre Mauern, im Norden noch auf römischen Fundamenten, sehen Friedrich 1. von Hohenstaufen auf seinem Kreuzzuge und auch den Einzug der ersten Habsburger. Längst ist die Residenz der Markgrafen und späteren Herzöge von Österreich vom Leopoldsberge in die Stadt („Am Hof") gewandert, in der dann wahrscheinlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts als Schutz an der Südfront der Mauer eine mächtige Burg (die heutige Hofburg) entstanden ist. Wien wird in der Kreuzzugszeit eine der volkreichsten Städte Deutschlands. Wirtschaftliche und künstlerische Verbindungen begünstigen den Bau herrlicher gotischer Kirchen (St. Stephan, Minoritenkirche, Maria am Gestade). 
Die politische Verbindung mit Ungarn bringt freilich auch den ersten Türkenvorstoß, der 1529 an den alten Mauern Wiens abgewehrt wird. Im 15. Jahrhundert erlahmt infolge des Glaubenskampfes die Bautätigkeit; bedeutende Renaissancebauten fehlen. Die Türkengefahr zwingt zu Befestigungsbauten. Die Altstadt wird nun von Basteien umkränzt. Die neuen Befestigungen legten bei der zweiten Türkenbelagerung 1683 ihre Feuerprobe ab. Der Ausbau der Hofburg, der Winterpalast Prinz Eugens, das Belvedere und das Liechtensteinpalais mit ihren berühmten Bildersammlungen, dazu noch Schönbrunn seien hier genannt. Aber auch Bürgerhäuser und zahlreiche Kirchen (Karlskirche, Jesuitenkirche) tragen den Stempel jener baufreudigen Tage nach der Türkennot. Rokoko und Biedermeierstil treten demgegenüber zurück (Mölkerbastei!). Die nächste große Bauperiode Wiens folgte seit 1856, als der Raum der Basteien und das Glacis verbaut wurde. Hier entstand die schönste Großstadtstraße, die Ringstraße. Von zahlreichen Parkanlagen unterbrochen liegen hier die Prunkbauten der Votivkirche, der neuen Universität, das Burgtheater, das Rathaus, das Parlament, der Justizpalast, die beiden Staatsmuseen, die Neue Hofburg und die Oper. Es fehlt aber ein einheitlicher Stil in diesen Prunkbauten des ausgehenden 19. Jahrhunderts; von Siccardsburg und van der Nüll (Oper) wie F. v. Schmidt (Rathaus) gehen von der Renaissance aus, ebenso H. v. Ferstel (Universität), verschmähen aber auch gotische Elemente nicht. T. v. Hansen (Parlament) begünstigt wieder die griechische Antike, die in der Nachbildung des Theseustempels im Volksgarten wirkungsvoll zur Abwechslung des Ringstraßenbildes beiträgt. Den letzten großen Einschnitt im Baubild der Stadt stellen die der Wohnungsnot der Nachkriegszeit entsprungenen im neuen Sachlichkeitsstil gehaltenen Volkswohnbauten der Stadtgemeinde dar, die als Hoch- und Flachbauanlagen in den Vororten große Flächen bedecken. 
Nicht zu trennen von der Stadt ist die herrliche Umgebung; im Norden die Wiener Pforte mit dem alten Klosterneuburg, im Westen das waldreiche Wiental und im Süden die Wein- und Badeorte am Rande des Wiener Beckens. In Tagesausflügen lassen sich von Wien mit dem Kraftwagen alle Landschaftstypen Europas erreichen: die Hochalpen im Semmeringgebiet, die mitteldeutschen Berglandschaften in der Wachau und die osteuropäische Steppe am Neusiedlersee. Verlangen Sie an der SHELL-Tankstelle mit dem Reisedienst-Zeichen die interessanten „SHELL-Touren-Vorschläge" von Wien. 
Wenn Sie die ganze Karte begutachten möchten, müssen Sie nur auf diesen Link klicken. (Original-Text aus der Shell Stadtkarte) |