ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 8 BRESLAU

Verlag: SHELL Reisedienst

Titelbild: Rathaus

Erscheinungsjahr: 1934/35

Verlag: SHELL Deutschland Holding GmbH

Originalpreis: k.A.

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Shell-Stadtkarte Nr.8 Breslau

(Original Texte und Bilder aus der Shell-Stadtkarte)

Breslau die alte Hauptstadt Schlesiens, eine Stadt der Altertümer, der Kunst und der Wissenschaft, der Industrie und des Handels, eine Stadt mit einer von landschaftlichen Reizen gesegneten Umgebung, aber auch selbst eine grüne Stadt mit einer Fülle von wunderschönen Plätzen und Ecken.

Man wird nicht müde, in dieser süd-östlichsten Großstadt des Deutschen Reiches den Zeugen der Geschichte nachzugehen oder besser nachzufahren, denn erst eine Fahrt im offenen Wagen ermöglicht es, in wenigen Stunden die Fülle von Eindrücken in sich aufzunehmen, aus denen sich schließlich das Bild dieser seltsamen Stadt aufbaut.

Um 1000 nach Christus hat sie schon bestanden, war eine slawische Bischofsstadt mit immer stärker werdendem deutschen Einschlag. Um 1200 wird sie mehr als einmal von den Hunnen heimgesucht und geht in Flammen auf, und wer den wunderbaren Blick auf die Dominsel genießt, mag sich erinnern, daß diese Inseln die letzte Zuflucht der damaligen Bewohner waren, wenn die gelben Reiter auf ihren struppigen Gäulen heranstürmten. Von einer großen Schlacht gegen die Hunnen, die im Jahre 1241 zwischen Breslau und Liegnitz geschlagen wurde, kündet ein farbenprächtiges Gemälde in dem auch sonst sehenswerten Schlesischen Museum der bildenden Künste. In Ruhe und Frieden wird die Stadt dann groß und reich, ein deutsches Bollwerk gen Osten, breit angelegt nach einem übersichtlichen Plan. Im Mittelalter war sie Hansastadt mit vielgestaltigen Beziehungen nach dem Westen, Osten und Norden. Von diesem Reichtum kündet heute noch der Prunkbau des Rathauses und zahlreiche Kirchen im gotischen Stil. Ein buntbewegtes Treiben muß damals in den Straßen und Herbergen der Stadt geherrscht haben, wozu die vielen östlich-asiatischen Besucher nicht wenig beigetragen haben mögen. Nach den Wehen des 30jährigen Krieges kamen die schlesischen Kriege, die Breslau zu einer preußischen Stadt, der drittgrößten Preußens (über 600 000 Einwohner) machten, die so gut preußisch gesinnt war, daß 1813 von hier aus die Welle der nationalen Bewegung ausgehen konnte, die Preußen wieder frei machte; noch steht das Haus der Zeitung, in der Friedrich Wilhelms III. „Aufruf an mein Volk" damals zum ersten Mal erschienen ist. Das vergangene Jahrhundert ließ die Stadt dann wieder in die Reihe der bedeutendsten Handelsplätze des Ostens einrücken. Wer wissen will, wie es um jene Zeit wohl ausgesehen haben mag, sehe sich in der Weißgerberohle das alte Kaufmannshaus an, das noch so steht, wie es Gustav Freytag in seinem Roman „Soll und Haben" geschildert hat. Heute ist Breslau eine moderne Stadt, zwar wie alle Grenzstädte mehr als andere unter den Einwirkungen neuer Grenzziehungen leidend, aber doch darauf bedacht, sich zu halten und neben einer Arbeitsstadt auch eine schöne Stadt zu sein, die zu den erhaltenen gotischen und barocken Kunstwerken des Mittelalters die reizvolle Zweckmäßigkeit der Neuzeit gesellt. Zu dem Schmuckkasten des Rathauses, das man immer wieder bewundern muß, kommen als Hauptsehenswürdigkeiten mitten in der Stadt die Elisabethkirche und gleich beim Tauentzien-Platz, wo mitten im brausenden Lärm der Großstadt sich das Grab des Verteidigers von Breslau, des preußischen Generals von Tauentzien erhebt, die St. Dorotheen- und Corpus-Christi-Kirche, reichen an kostbaren Altertümern. Der Neumarkt mit dem „Gabeljürge" enthüllt einen Blick in ein Stück Mittelalter und zeigt auch den Reichtum Breslaus an alten, schönen Brunnen, wie er auch vor der Universität zu sehen ist. Nicht weit davon das Schloß Friedrichs des Großen mit seinen interessanten geschichtlichen Sammlungen. Daß man der Dominsel einen Besuch abstattet, ist selbstverständlich. Wenn man hier die fünf Inselkirchen, den Dom, die Sandkirche, die Kreuzkirche, die St. Aegidien- und Martinikirche sowie die alten Klosterbauten besichtigt hat, weiß man auch den anderen Beinamen Breslaus als Stadt der Kirchen zu schätzen.

Aber unser Auto wartet, um uns nun auch die grünen Schönheiten der Stadt zu zeigen. Vor allem die viel zu wenig bekannte Liebichshöhe, den schönsten Schmuck der Promenade mit dem Stadtgraben, dem Schauplatz sommerlichen Gondelfahrens und winterlichen Eislaufs. Dann kommt die Jahrhunderthalle mit Messehof und Ausstellungsgelände, eine der schönsten Anlagen der Welt, der Treffpunkt der guten Gesellschaft. Die Oderpromenade entlang zu fahren, ist ein besonderer Genuß und in die idyllischen Oderwälder bringt uns nicht nur ein schneller Dampfer, sondern auch der Wagen auf guten Straßen. Weit dehnt sich der Blick in die Ebene, haftet auf den hohen blauen Gipfeln des Riesengebirges, wo wir die Schneekoppe ahnen, den Zobten, den heiligen Berg der Ureinwohner, der wie eine Insel in der Ebene emporragt, und verliert sich im Osten im Dämmer geheimnisvoller Wälder, in denen sich alte, schöne Schlösser (u. a. Schloß Oels, das Blücherschloß Krieblowitz, das Wasserschloß Wohnwitz), Klöster und traumhaft tiefe Seen bergen. Eine Stadt, die viel verspricht und noch mehr gibt, das ist Breslau!

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