ÜBERSICHT - DEUTSCHLAND - STADTPLÄNE - 1900-1945 - SHELL STADTKARTEN

SHELL STADTKARTE Nr. 9 Frankfurt

Maßstab k.A.

Hergestellt: 1934 oder 1935

Verlag: SHELL Reisedienst

Originalpreis: k.A.

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Frankfurt am Main wird zum ersten Male im Jahre 793 urkundlich erwähnt als „franconofurt", in welchem der mächtigste Herrscher des Abendlandes, Karl der Große, sein Hoflager und eine der größten Reichsund Kirchenversammlungen seiner Regierung abhielt. In der Reichsgeschichte der Folgezeit gewinnt der Name Frankfurts namentlich von der Mitte des 12. Jahrhunderts ab wieder große Bedeutung. Im Jahre 1147 fand die erste Königswahl in Frankfurt statt, das fortan Wahlstätte der deutschen Könige und Kaiser blieb. Im Jahre 1227 wird die Frankfurter Messe zum ersten Male erwähnt, die zweifellos schon sehr lange bestand und in den folgenden Jahrhunderten ständig wachsende Bedeutung gewann.

Frankfurt besaß vom 14. bis 16. Jahrhundert die bedeutendsten Reichsmessen, zu denen die Kaufleute der damaligen Welt zusammenströmten. Karl IV. erhob Frankfurt in der Goldenen Bulle 1356 zur gesetzlichen Wahlstadt und später zur Freien Reichsstadt. Frankfurt war im Mittelalter, das kann ohne Übertreibung gesagt werden, die Hauptstadt Deutschlands und führte mit allem Grunde in seinem Siegel die Bezeichnung „specialis domus imperii". Seit 1562 fand auch die Krönung der deutschen Kaiser in Frankfurt statt. Hier erblickte Goethe, Deutschlands und des Abendlandes größter Genius, das Licht der Welt. Hier tagte 1848 das erste deutsche Parlament und bis 1866 der Deutsche Bund. Seit diesem Jahre preußisch, entwickelte sich Frankfurt aus einer beweglichen Mittelstadt prächtiger Bürgerkultur zu einer Handels- und Industriegroßstadt, zu einem Bank- und Börsenzentrum sowie zu einem Fremdenplatz internationalen Gepräges. Die ehemalige Warenmesse erhielt nach dem Weltkriege ihre Fortsetzung in der Frankfurter Mustermesse, die der Unbill der Wirtschaftsverhältnisse leider zum Opfer fiel.

Dank seiner glücklichen geographischen Lage - an dem wichtigsten Übergang des Mains und im Mittelpunkt des früheren Deutschland - hat Frankfurt seine Bedeutung als Länder verbindende Brücke zwischen Ost und West, Nord und Süd stets gewahrt und gilt wie im Mittelalter als „Stadt der Straßen" so heute als einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte. Es besitzt den zweitgrößten Bahnhof Deutschlands. Die Lage am verkehrsreichen Main hat für Frankfurt aber nicht nur politische und wirtschaftliche Bedeutung, sie gibt der Stadt auch landschaftlich besondere Vorzüge und Reize. Der Ausblick auf den Main, der sich mit seinem lebhaften Schiffsverkehr in sanften Bogen windet, auf die zahlreichen, verschieden gestalteten Brücken, die ihn überspannen, auf die Ufer mit ihren Kais und Promenaden, ihren stattlichen Häuserreihen, den Türmen und Kuppeln muß jeden Beobachter entzücken. Vom Flusse führt im Zuge der alten Stadtbefestigung um die Innenstadt ein breiter Anlagenring, der mit seinen geschickt geführten Spazierwegen und seinem alten Baumbestand Hast und Gewirr der Großstadt vergessen läßt.

Die guterhaltene Altstadt gibt ein einzigartiges Bild mittelalterlicher Städtekultur und gehört zu den köstlichsten Vermächtnissen der Vergangenheit. In ihrem Bereich befinden sich wundervolle alte Bauten, stolze Zeugen der Macht und Größe des mittelalterlichen Frankfurts. Die neueren Stadtteile zieren herrliche Parkanlagen, neuzeitliche Prachtbauten, Pflegestätten der darstellen
den Kunst, Musik und Wissenschaft sowie weltbekannte Museen
Umgebung. Vor den Toren der Stadt lockt bequem und schnell erreichbar ein Kranz anmutiger Gebirge: Odenwald, Spessart, Vogelsberg, Taunus, bekannt durch zahlreiche Bäder-, Kur- und Erholungsorte. Wie still und anmutig sind die guten Fahrstraßen durch den Taunus mit ihren herrlichen Fern- und Nahblicken. Mächtig rauschen hier uralte Wälder, geheimnisvoll leuchtet aus dem Grün graues Gemäuer der Römerzeit. Hundert Einzelheiten könnte man nennen. Aber es sei nur ein bescheidener Strauß gepflückt, aus der Erinnerung an die gesamte lockende Umgebung der Stadt. Da sind die Waldwege von Grafenbruch, der nahe Lohrberg und in dem angrenzenden Bergen der Stammsitz des Rittergeschlechtes der Schelme von Bergen, das am Fuße des Altkönigs gelegene Kronberg mit seiner Burg, das alte Raubritternest Falkenstein, der Luftkurort Königstein mit seiner Ruine, das weltberühmte Homburg, Bad Soden, Idstein, das hessische Städtchen Friedberg und das bekannte Bad Nauheim. Leicht erreichbar ist auch das liebliche Lahntal mit alten Schlössern und historischen Städten, vor allem aber der vielbesungene Rhein in seiner märchenhaften Schönheit, im Glanze seiner 2000jährigen wechselvollen Geschichte, sowie der Neckar mit seiner reichen Fülle mauerumgürteter, mittelalterlicher Städte und Burgen.

Es mag genug sein mit diesem bunten Strauß. Er ist selbst für den, der wenig Zeit hat, nicht schwer zu pflücken. Mit einem flinken Auto können alle diese Landschaften und Städte, Kirchen und Kunstschätze, Wälder, Flüsse, Berge und Weinhügel meist in einem Tagesausflug „erobert" werden. Ja, der Reisende kennt Frankfurt nicht, der nicht auch seine Umgebung gesehen hat.

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(Original-Text und Bilder aus der Shell Stadtkarte)


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